Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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261(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Sitte und Moral u. s. f. Wie die natürlichen Lebensbedingungen
variabel sind, so ist auch die Kollektivseele variabel: wir nennen
das ihre Entwickelung. Aber der ursprüngliche Typ, der Grund-
charakter geht niemals völlig verloren. Die grundlegenden Be-
standteile der sozialen Psyche bilden diejenigen psychischen Eigen-
tümlichkeiten, welche allgemeiner menschlicher Besitz sind: wie
die individuale menschliche Psyche vorstellend, fühlend und wollend
ist, so auch die soziale Psyche. Je nach den besonderen Lebens-
bedingungen, unter welche eine menschheitliche Gruppe gestellt ist,
empfängt jedoch die betreffende soziale Psyche ein diesen ent-
sprechendes eigenartiges Gepräge, vermöge dessen sie von anderen
sich mehr oder weniger deutlich abhebt und unterscheidet. In-
dem sie aber mit anderen in Wechselbeziehungen steht, linden
mehrfach An- und Ausgleichungen statt, sowohl was das Vorstellen
als auch was das Fühlen und Wollen betrifft. So weist die ge-
samte westeuropäische Kulturgesellschaft sicherlich eine ganze
Fülle von gemeinsamen Merkmalen auf; das Empfinden der zu
ihr gehörenden Völker ist ohne Zweifel in vielen Dingen ein
aufserordentlich ähnliches, oft gleiches, sowohl was das religiöse,
moralische und künstlerische Empfinden, als auch was die prak-
tische Ausgestaltung des sozialen und politischen Lebens, der
Sitten und Gebräuche, der Lebensführung anlangt. Dennoch kann
niemand zu bestreiten wagen, dafs anderseits nach allen diesen
Richtungen hin eine ganze Reihe von Unterschieden, dafs zahl-
reiche Variationen vorhanden sind. Alle diese Staaten sind z. B.
parlamentarische Staaten; aber wie verschieden voneinander sind
der englische, der französische und der deutsche Parlamentaris-
mus. Und wer nur einigermalsen sich mit der neuen Kunst bei
den Franzosen, Engländern und Deutschen beschäftigt hat, der
findet neben allem, was ähnlich und gleich ist im Empfinden und
Gestalten, auch ganz charakteristische Besonderheiten. Endlich
wird die soziale Psyche auch von den individualen Psychen be-
einflufst in bald höherem bald geringerem Grade; wie zwischen
den verschiedenen sozialen Psychen variierend und modifizierend
wirkende Wechselbeziehungen bestehen, so existieren solche eben-
falls zwischen der sozialen Psyche und den individualen Psychen,
welche ihr untergeordnet sind. Die weit überwiegende Mehrzahl
derselben ist freilich, wie schon erwähnt, von passiver Art, d. h.
bei ihnen steht das empfangende Moment im Vordergrunde, ist
das herrschende: für sie ist die soziale Psyche das durchaus be-
stimmende und gestaltende Prinzip. Daneben ist aber stets eine