Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
falls historische Faktoren mafsgebend gewesen, die Macht der
geistigen Kultur und wohl auch ganz spontan auftretende Varia-
tionen. Bei Familien-Verschiedenheiten und überhaupt bei den
Verschiedenheiten der Angehörigen eines Stammes oder Volkes
fällt als bestimmend und erklärend die verschiedene Ernährungs-
und Lebensweise ins Gewicht, aufserdem wird man mit gutem
Grunde Tj'pen-Mischung geltend machen können und natürlich
wiederum spontan auftretende Variation. Diese mufs vor
allem bei der Verschiedenheit der Kinder eines und desselben
Elternpaares als Ursache betrachtet werden. Aber worauf beruht
sie? Das eben ist die Frage, an welcher vorläufig noch alle
menschliche Weisheit gescheitert ist. Die einen, so Prosper
Lucas in seinem „Traité philosophique et physiologique
de l'hérédité naturelle", möchten die Variabilität auf ein
bestimmtes Gesetz, das Gesetz der Erfindung oder Einbildung zu-
rückführen. Die anderen, so Ribot in seiner Schrift über die
Vererbung, wollen von einem besonderen Gesetze der Variabilität
nichts wissen, sondern schreiben dieselbe der Einwirkung zufälliger
Faktoren zu, Verschiedenheit der beiden Zeugenden, augenblick-
licher Zustand während der Zeugung, äussere und innere Einflüsse,
die nach der Befruchtung auf Keim oder Organismus einwirken.
Diese Ansicht scheint mir die bei dem gegenwärtigen Stande der
Wissenschaft annehmbarste zu sein. Der Mensch an der Wende
des 19. und 20. Jahrhunderts ist zu kritisch, um wirklich dauernd
von einer Theorie oder einer Hypothese befriedigt zu sein, bei der
irgend welche, wenn auch noch so gedämpfte mystische Voraus-
setzungen mit unterlaufen. Er verzichtet lieber auf eine durch-
greifende Problem-Lösung, auf die Aufstellung von Gesetzen, als
dafs er dabei unkontrollierbare Philosopbeme mit in den Kauf
nimmt. Ein solches ist das Lucas'sche Gesetz der Erfindung oder
Einbildung, das bei der Schöpfung der Arten thätig gewesen sein
und auch bei jeder Zeugung wiederum seine Wirksamkeit in
Bezug auf Körper und Geist entfalten soll.
Eine andere, aber mit der vorigen in engstem Zusammen-
hange stehende Frage, welche hier sich aufdrängt, ist die nach
der Begrenzung der Variabilität der Organismen. Auch diese
Frage ist noch gänzlich unentschieden und vorläufig auch noch
völlig unentscheidbar. Während Darwin die seiner Meinung nach
einzig durch äufsere Einflüsse bedingte Variabilität der Organismen
für unbegrenzt hält, vertreten viele die Ansicht, dafs das Werden
in der Natur gewissen Korrektiven unterworfen sei. So macht