Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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236(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
zu durchlaufen, noch vor sich hat, erhabene Schauer, aus denen
der glühende Wunsch, der feste Vorsatz erwächst, auch ihrer-
seits alle Kräfte einzusetzen, um die Menschheit immer weiter
,empor" zu führen, aus denen die Lust zum Thätigsein hervor-
geht. Möglich ist das nur, wenn die Erziehung sich stützt auf
die Biologie und eine biologisch fundierte Ethik. Die ab-
solute Moral, im besonderen die der Herbartianer ist unfrucht-
barer Formalismus und Schematismus; sie für die Erziehung ver-
wenden wollen, das heifst leeres Stroh dreschen und Feigen vom
Dornenbusch erwarten. Dem Erwachsenen, dem Reifen kann unter
Umständen wohl die Erhabenheit einer abstrakten Idee so hehr
erscheinen, dals er nach nichts anderem fragt, sondern nur dadurch
sich bestimmen und leiten läfst. Das Kind jedoch hat dafür kein
Verständnis; ihm fehlt dafür das Organ. Das Kind will stets
genau wissen, warum man das eine thun und das andere lassen
soll. Der Hinweis auf die Idee, die aus fernen Regionen stammt
und hoch über allem Irdischen steht, unerreichbar wie der Himmel
mit seinen Sternen, prallt hier machtlos ab: um der Idee willen
etwas thun oder lassen, das erscheint dem Kind als
Gipfel des Absurden. Dagegen begreift es sehr wohl, dals es
um eines bestimmten Zweckes willen handeln soll; dafs
eine That böse oder gut ist, jenachdem sie die Gattungs-Erhaltung
und Vervollkommnung, das Gemeinschaftsleben in quantitativer
und qualitativer Hinsicht gefährdet oder nicht; denn dessen Be-
deutung kann es nach den Beziehungen bemessen, in denen es selbst
zu den anderen steht, nach seiner eigenen Stellung in der Gemein-
schaft. — Dafs bei alledem das Individuum und seine Entwickelung
zu kurz komme, das kann nur behaupten, wer den Sinn des
Ganzen nicht erfafst hat. Um eine zu geringe Berücksichtigung
oder gar eine Unterdrückung des Individuellen, wie man gewöhn-
lich meint, kann es sich doch unmöglich handeln; vielmehr ent-
spricht das gerade Gegenteil der Wahrheit. Die Vielgestaltigkeit
des Lebens, der Kultur erfordert eine aufserordentliche Mannig-
faltigkeit des Könnens, mithin eine weitgehende Berücksichtigung
individueller Anlagen und eine freie und ungehinderte Entfaltung der-
selben. Die das Prinzip der Gattungs-Erhaltung und -Vervollkomm-
nung als Leitmotiv anerkennende soziale, also die Kultur-Pädagogik
stellt das Individuelle aus dem angegebenen Grunde so hoch wie nur
möglich und läfst ihm alle erdenkliche Förderung angedeihen. Sie
will und mufs die Aufgabe lösen, freie Personen und souveräne
Charaktere auszubilden, die natürliche Energie des Willens