Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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232(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
verfolgt wird. Der Evolutionismus deckt die langsame Entstehung
des Sittlichen aus dem tierischen Instinkte auf und zeigt, wie sein
endlicher Durchbruch im Menschengeschlechte vorbereitet worden ist
durch Jahrmillionen derEntwickelung des tierischen Lebens. Und dieses
aus der menschlichen Natur in ihrer Allgemeinheit herausgeborene
Sittliche ist stets nicht nur unbedingt verbindlich, sondern diese
Verbindlichkeit leuchtet jedem auch ohne weiteres ein, sofern etwa
Zweifel auftauchen. Wenn ich weifs, dafs die Moralvorschriften,
welche existieren, naturnotwendige Produkte der Gattung sind,
der ich angehöre, von der ich ein Teil bin, dann kann ich doch
gar nicht anders als mich ihnen beugen und fügen. Die Gebote
und Verbote der so begründeten Ethik sind durchaus verbindlich
für den Einzelnen, auch wenn er, der Wahrheit entsprechend,
weifs, dafs diese Gebote und Verbote im Laufe der Entwickelung
sich ändern, sich vervollkommnen, manche wieder verschwinden,
andere neu hinzutreten. Denn er weifs ja, dals das alles eben-
falls sich mit Naturnotwendigkeit vollzieht. Das Wissen, dafs
die Zeit, in der ich lebe, gar keine anderen Moralvor-
schriften als eben die vorhandenen hervorbringen konnte,
diese aber mit Notwendigkeit hervorbringen mufste,
schliefst deren Verbindlichkeit für den Einzelnen ganz
selbstverständlich in sich.
Der Vorwurf, dafs die evolutionistische, auf die Gattungs-
erhaltung und Gattungsvervollkommnung gerichtete Ethik unsozial
sei, ist so absurd, dals er keinerlei Widerlegung bedarf. An
festen Wertmafsstäben soll es ihr fernerhin fehlen, während solche
die absolutistische Ethik aufzuweisen habe in ihren sittlichen
Ideen, die seit Jahrtausenden in Geltung ständen. Zunächst ein-
mal ist die Frage aufzuwerfen: kann der Absolutist beweisen, dafs
etwa die Idee der Vollkommenheit oder die der inneren Freiheit
stets als fester sittlicher Mafsstab dem Menschengeschlechte ge-
golten habe? Worin kommen denn diese Ideen z. B. im Dekalog
zum Ausdruck? Ja, ich glaube, es würde sogar nicht leicht fallen,
die Idee des Wohlwollens in demselben zu entdecken; mir will
scheinen, als ob es sich da nur um die des Rechts und der Billig-
keit, mit einem Worte: der Gerechtigkeit, handelte, aber die des
Wohlwollens noch keine Stelle darin hätte. Fernerhin: können
denn überhaupt diese in der Luft schwebenden sittlichen Ideen des
Absolutisten als unverrückbare Wertmafsstäbe gelten? Wir haben
ja gesehen, dafs nirgends der Versuch ihrer Ableitung und Er-
klärung gemacht wird; sie sind da, weil sie da sind. Also gerade