Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 27. Die Triebkräfte des Gemeinschaftslebens. 231
heit, oder aber man verweist es in ein Reich transzendenter
Ideen, das irgendwie in das irdische Leben hineinscheint wie Sonne,
Mond und Sterne, zu dem wir aber keinen Schlüssel besitzen.
Also hier gerade ist das Sittliche ein Fremdes, das mit der
Menschennatur nichts gemein hat; hier erscheint es als ein Will-
kürliches und Zufälliges, das uns Menschen einfach aufoktroyiert
worden ist, das mit unserem Wesen eigentlich gar nichts zu thun
hat, vor dem wir uns nur beugen, weil es nicht anders geht, wie
vor dem blinden Zufall oder der Willkür einer geheimnisvollen
Macht. Hier erscheint die menschliche Gesellschaft als aus Mario-
netten bestehend, die irgendwo in ihrem Kopfe einen eigentüm-
lichen Mechanismus haben, der sie mit anderen ebensolchen Mario-
netten zu einem Gastspiel sich vereinigen läfst, das sie auf der
Erde bald längere bald kürzere Zeit unter dem Titel „Eine sitt-
liche Gesellschaft" aufführen. Hier ist und bleibt alles unerklärt;
auf die Frage: warum ist dieses gut und jenes böse, giebt es
stets nur die eine Antwort, die gar keine Antwort ist: weil es
eben gut oder böse ist. Sittliche Ideen, welche in der Luft
schweben, auf mysteriöse Weise in die Köpfe der Menschen hinein-
leuchten, welche starr gebieten und verbieten, aber nicht sagen,
weshalb sie gebieten und verbieten, weshalb das eine zu thun
und das andere zu lassen ist. Eine solche Ethik ist eine Ethik
der Willkür und öffnet somit auch dem subjektiven Belieben
Thor und Thür. Warum soll das Sittliche für mich verbindlich
sein, wenn es ein von aufsen her in mein Leben Scheinendes ist;
wenn es aus einer ganz anderen Welt als der, in der ich lebe,
stammt; wenn es das Willkürgebot einer Macht ist, von der ich
nichts weifs und infolge ihrer Transzendenz auch gar nichts
wissen kann! Wer will mich zwingen, nach einer solchen
Moral mein Leben zu gestalten, die nicht von dieser Welt ist!
Worauf ist die unbedingte Verbindlichkeit ihrer Gebote und
Verbote gegründet! Doch auf nichts anderes als auf das sub-
jektive Belieben, den guten Willen eines jeden Einzelnen, darauf
dafs der Einzelne an eine solche Vorschriften gebende Macht
glaubt, dafs der Einzelne ein Reich der Ideen für möglich
hält, das für unser menschliches Leben normgebend ist. Und
wenn er nicht an dergleichen glaubt? Wer kann ihn zwingen,
zu glauben und für möglich zu halten? Ganz anders steht
die Sache bei der evolutionistischen Ethik, in der das Sittliche
aus der menschlichen Natur hergeleitet und noch über den
Menschen hinaus bis weit in die tierische Natur hinein zurück-