Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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6 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
ander verwandte, durch Bande des Blutes verbundene, sehr ver-
schieden. Wir müssen uns daher nach einer anderen und besseren
Deutung umsehen. Und eine solche ist uns gegeben in der Lehre
von der natürlichen angeborenen Veranlagung des Menschen. Dabei
ist jedoch wieder noch zweierlei zu beachten und auseinanderzu-
halten. Es sind nämlich zwei Klassen von Anlagen zu unter-
scheiden, ererbte und solche \ron individueller Variation.
Nehmen wir eine Familie. Die Kinder dieser Familie ähneln
in mancher Hinsicht alle den Eltern und somit einander; in anderen
Beziehungen aber sind sie wie von jenen so auch untereinander
aufserordentlich verschieden. Das erstere beruht auf Vererbung,
das letztere auf individueller Variation.
Die Versuche, die Variabilität, die Verschiedenheit der Orga-
nismen derselben Art zu erklären, sind ungeheuer mannigfaltig;
sie reichen von der Gegenwart bis weit ins Altertum zurück.
Philosophen, Naturforscher, Arzte, Anthropologen haben ihren
Scharfsinn an der Lösung dieses interessanten Problems erprobt,
bisher vergeblich. Eine in jeder Hinsicht zufriedenstellende letzte
Erklärung, der gegenüber alle Einwände hinfällig werden, hat
noch niemand zu geben vermocht, weder, um nur bei den Männern
unseres Zeitalters zu bleiben, Prosper Lucas noch Waitz noch
Johannes Müller noch Darwin noch Th. Fechner noch sonst
irgend ein anderer. Aber die Thatsache besteht und ist nicht zu
leugnen. Sie besteht, wie angedeutet, in den engen Grenzen der
Familie; sie besteht auch in den weiteren und weitesten Grenzen
des Stammes, des Volkes, der Menschheit. Am deutlichsten wahr-
nehmbar, am handgreiflichsten ist sie ja im letzteren Falle. Hier
hat die Verschiedenheit der Organismen der Gattung Mensch sich
zu gewissen aufserordentlich von einander abweichenden Typen
verdichtet, welche wir als Rassen bezeichnen, und im Vergleich
mit denen die zwischen den Völkern und Stämmen vorhandenen
Unterschiede nur geringfügig sind, erst recht die der Familien
und der Individuen. In allen diesen Fällen kann die Verschieden-
heit nun allerdings einigermafsen befriedigend erklärt werden;
die eigentlichen Schwierigkeiten beginnen eben erst da, wo es
sich um diejenige der Kinder der nämlichen Eltern handelt.
Rassen-, Volks-, Stammes-Verschiedenheiten ergeben sich vornehm-
lich als Folgen der Verschiedenheiten der natürlichen Lebensbe-
dingungen, der geographischen Verhältnisse, des Klimas u. dgl. m.
Aufserdem sind, namentlich sofern die Herausbildung gewisser
nationaler Eigentümlichkeiten in Betracht kommt, sicherlich eben-