Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 27. Die Triebkräfte des Gemeinschaftslebens. 229
Vervollkommnung der Gattung. Und nun ist zweifellos auch hier
wieder nicht beides gleichwertig, offenbar ist das letztere das
Höhere und das erstere das Niedere, jenes Zweck und dieses Mittel.
An der Erhaltung der Gattung liegt an und für sich nichts, son-
dern nur sofern sie die Bedingung ihrer Vervollkommnung ist.
Lebenserhöhung ist, das lehrt die Lebensbetrachtung, der End-
zweck, der absolute Zweck des Lebens. Vom einzelligen
Wesen, das weder Pflanze noch Tier ist, geht es hinauf zur
Pflanze einer- und zum Tier anderseits, zunächst zur Gasträa,
dann weiter hinauf zu den Polypen und Quallen, von da zu den
Würmern, von den Würmern hinauf zu den Stachelhäutern, den
Weichtieren, den Gliedertieren, den Wirbeltieren, vom Tier end-
lich zum Ubertier, zum Menschen, vom Naturmenschen zum Kultur-
menschen erst niederer, allmählich jedoch immer höherer Art.
Vom Instinkt geht es zum Geist, der sich noch beständig ver-
feinert, vom unbewufsten Leben zum bewufsten, bewufsteren, be-
wufstesten; alles Lebens Gipfel ist die sich fort und fort
steigernde Kultur, alles Lebens letzter Zweck die zu-
nehmende Verinnerlichung und Vergeistigung — soweit
wir zu schauen und zu erkennen vermögen, darüber hinaus ist
uns der Blick verschlossen. Was jenseits dieser Grenzlinie liegt,
das ist das Land des Glaubens, das Gebiet der Hypothesen und
der Postulate, das Bereich der Phantasie, in dem die Gottheit
waltet, aller Erdenfesseln und Weltschranken entledigt. Aus alle-
dem ergiebt sich für unsere Betrachtung, dafs das Sittliche
im engeren und niederen Sinne Gattungs- und Selbst-
erhaltung, das Sittliche im weiteren und höheren, im
höchsten Sinne Gattungs- und Selbstvervollkommnung
zum Ziele hat. Handelt es sich hier um die volle Entfaltung
aller menschlichen Kräfte überhaupt, um die Entwickelung des
Geistlebens in seinem gesamten Umfange, so dort um die Be-
thätigung des Mitgefühls, um das anderen Helfen und Beistehen,
das für sich selbst Sorgen, was alles unsere Billigung findet, gut
geheifsen wird nicht um seiner selbst willen, sondern sofern es
dazu dient, die Menschen lebens- und damit arbeitsfreudig zu er-
halten, ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen, um am grofsen Werke
der Kultur mit nie erlahmenden Kräften thätig sein zu können.
Eine strenge Scheidung zwischen beiden Gebieten ist natürlich
nicht möglich; haben wir doch gesehen, dafs die auf Lebens-
erhaltung ausgehenden Triebkräfte die nämlichen sind wie die
Lebenserhöhung bedingenden.