Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 27. Die Triebkräfte des Gemeinschaftslebens. 227
Unlust der unbefriedigten Neu- und Wifsbegierde zum Allgefühle
menschlichen Mangels und menschlicher Beschränkung
unter dem Einflufs der sozialen Triebkräfte weitet und ausdehnt,
so locken dieselben aus dem auf blofse Lebens - Notdurft und
Leibes-Nahrung gerichteten Selbsterhaltungstriebe die feinen Blüten
der Ehrliebe hervor, des Verlangens nach Anerkennung unter
den Mitmenschen, und spornen damit zu der Gesamtheit zugute
kommenden Leistungen an. Auch den brutalen auf eigene Er-
haltung abzielenden Trieb selbst modeln sie um und erweitern das
Nahrungs- und Notdurfts-Bedürfnis des Menschen zum Zwecke der
Selbsterhaltung zum Thätigkeits-, Erwerbs- und Besitz-
trieb zu Gunsten der Angehörigen, zu Gunsten überhaupt der
Gemeinschaft, des Stammes und Volkes, der Völker und der
Menschheit. — Was aber die höhere Weihe anlangt, deren die
idiopathischen oder egoistischen Triebkräfte im Gemeinschaftsleben
teilhaftig werden, so besteht dieselbe darin, dafs ihre Bethätigung
in der Gesellschaft die Tugenden der Selbstbeherrschung, näm-
lich der Arbeitsamkeit, Sparsamkeit, Bescheidenheit und
der Mäfsigkeit, hervorbringt, zu denen sich die der ideellen
Tapferkeit, nämlich der Ehrliebe und der Wahrhaftigkeit,
gesellen, die Früchte des in der Gemeinschaft und durch
sie verfeinerten Selbsterhaltungstriebes. Damit sind wir
wieder bei der Moral angelangt; in Bezug auf sie müssen hier
noch einige nähere Erörterungen eine Stelle finden. Zuvor
möchte ich jedoch kurz auch darauf noch hinweisen, dafs aus
der Vereinigung aller, der sozialen und der egoistischen Trieb-
kräfte in Verbindung mit der Phantasie, welche, zu den letzteren
gehörend, überhaupt eine sehr grofse Rolle spielt und immer und
überall in Thätigkeit tritt, unterstützend und fördernd wirkt, z. B.
im Verein mit der Wifsbegierde, der vielästige und vielverzweigte
Baum der Religion entsprossen ist. Der Liebesdrang in all seinen
mannigfaltigen Formen und Gestalten und der starke Selbsterhaltungs-
trieb suchen einen Beschützer, der mächtiger ist als die bekannten
Wesen; dessen Ohr dem Flehen des bedrängten und gequälten
Herzens offensteht; der helfen kann, wenn sonstige Hilfe aus-
sichtslos erscheint. Und die Phantasie ist geschäftig, diesem Sehnen
und Wünschen, diesem Verlangen und Suchen entgegenzukommen.
Sie weist dem irrenden Hofien den Weg und verleiht dem wesen-
losen Scheine Wesenhaftigkeit. Sie schafft Götter und legt ihnen
Attribute bei; sie stellt Beziehungen her zwischen jenen und der
Natur, der Welt und den Menschen, baut ihnen Altäre und
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