Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
anbahnt und herbeiführt. Aufserdem vereinigen sich Geschlechts-
und Blutsverwandtschaftsliebe mit dem allgemeinen Anschlufs-
bedürfnis, der dritten grofsen Triebkraft des Gemeinschaftslebens,
zur Hervorbringung sozialer Organisation, zur Schaffung der Gesell-
schaft. Nehmen wir weiterhin das Mitteilungsbedürfnis, den
Trieb des Menschen, andere an dem teilnehmen zu lassen, was ihn
bewegt und erregt, was seine Aufmerksamkeit fesselt, sein Staunen
hervorruft, ihn zur Bewunderung hinreifst, ihn mit Freude oder
Trauer erfüllt, der von der Geschlechts- und Blutsverwandtschafts-
liebe und dem allgemeinen Anschlufsbedürfnis unzertrennlich ist,
hinzu, so werden wir zum Ursprung der Sprache geführt, der
Grundlage aller höheren Geistesbildung. — Neben diesen Trieb-
kräften spielt aber auch das Streben, die eigene Persönlichkeit
durchzusetzen, eine bedeutsame Rolle, der starke Trieb der Selbst-
erhaltung, desgleichen die in der Neugierde wurzelnde Wifs-
begierde und endlich der schon früher einmal erwähnte Nach-
ahmungstrieb. Wie wichtig dieser ist, habe ich an einzelnen
Beispielen zu zeigen Gelegenheit gehabt: er knüpft das von den
eigentlich sozialen Triebkräften um die Menschen geschlungene
Band noch fester; macht er sie doch, indem er sie veranlafst,
sich stets einer nach dem anderen zu richten, sich wechselseitig
zum Vorbild und Muster zu nehmen, allmählich einander immer
ähnlicher und bringt sie beständig einander näher. — Was das
Verlangen der Selbstdurchsetzung oder Selbsterhaltung und die
Wifsbegierde betrifft, so empfangen diese egoistischen Triebkräfte
nicht nur eine höhere Weihe durch die sozialen, sondern sie wer-
den auch in eigentümlicher Weise umgebildet und ausgestaltet.
Der Drang nach Wissen, der Wunsch, die umgebende Welt ge-
nauer kennen zu lernen, ihre Rätselfragen zu lösen und hinter
ihre Geheimnisse zu kommen, heischt nicht blofs Befriedigung
um seiner selbst willen, um die Unlust, welche die ungestillte
Sehnsucht erzeugt, loszuwerden; sondern es kommt noch ein
weiteres Moment hinzu und tritt nach und nach ganz in den
Vordergrund des Interesses. Das ist das Streben, die erlangte
Erkenntnis in den Dienst der Gemeinschaft, in welcher der Mensch
lebt, zu stellen, sie für sich, für die Seinigen und überhaupt für
alle Stammes- und Volksgenossen, letzten Endes für die gesamte
Menschheit nutzbar zu machen. Und wie auf diese Weise in
der Gemeinschaft die egoistische Neu- und Wifsbegierde zum
sozialen und humanen, auf allgemeine Nützlichkeit ab-
zielenden Erkenntnisdrange wird; wie sich die individuelle