Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 27. Die Triebkräfte des Gemeinschaftslebens. 225
Natur als unbewufster, instinktiver Drang das Leben, so bildet
der Geschlechtstrieb des Menschen, namentlich der des Mannes,
der in seinen Aufserungen weit energischer ist als der des Weibes,
ganz wie im Tierreich, eine stete Quelle von Energie, die sich in
alle Arten von Kanälen ergiefst, vornehmlich in die der Kunst.
Aus dem erwähnten Grunde, im Verein mit der gröfseren Varia-
bilität des Mannes, ist die Kunst ein vorwiegend männliches Produkt,
ein Gebiet vorwiegend männlicher Bethätigung. Frauen haben
immer nur eine ziemlich unbedeutende Rolle auf ihm gespielt,
eben weil, im Verein mit der geringeren Variabilität des Weibes,
ihre sexuelle Sphäre wohl massiver und ausgedehnter, aber in
ihren Aufserungen weniger energisch als beim Manne ist. Einen
sehr interessanten Artikel hat darüber im November 1893 Ferrero
in der „New Review" unter dem Titel „Woman's Sphere in
Art" veröffentlicht. Dafs der künstlerische Trieb bei Knaben und
Älännern weit intensiver vorhanden ist als bei Mädchen und Frauen,
das können wir leicht im alltäglichen Leben beobachten. Die
Neigung zu schnitzeln, zu zeichnen und alles zu bekritzeln,
worin sich dieser Trieb in seiner primitivsten Form offenbart, be-
obachtet man stets bei jenen häufiger als bei diesen; in Schulen
wie in Gefängnissen macht sich ein diesbezüglicher sehr be-
deutender Unterschied geltend. Wenn Galton bei einer Unter-
suchung von ungefähr 900 Individuen künstlerische Geschmacks-
richtung, d. h. Vorliebe für Musik, Zeichnen u. s. f, bei 28
der Männer und 33 "/o der Frauen fand, so ist dieser Vorrang der
letzteren dadurch zu erklären, dafs die Erziehung gegenwärtig ja
alles Mögliche thut, um gerade beim weiblichen Geschlechte eine
künstlerische Geschmacksrichtung zu entwickeln. Und trotzdem
beträgt der Unterschied zu Gunsten der Frauen doch blofs 5®/o.
Eine andere höchst bedeutsame Gestaltung des Liebesdranges
ist die Blutsverwandtschaftsliebe, welche sich als Eltern-
liebe einer-, als Kindes- und Geschwisterliebe anderseits
und endlich als Verwandtenliebe überhaupt darstellt. Schafft
die Geschlechtsliebe durch den Liebesakt, zu dem sie als ihrem
ersehnten Ziele drängt, die Grundbedingung für die Erhaltung
der Gattung, so dient die Blutsverwandtschaftsliebe dem nämlichen
Zwecke durch die Lebensfürsorge, den Schutz und die Pflege, zu
denen sie die Menschen veranlafst. Ist die erstere fernerhin mit
als die Wurzel der Kunst zu betrachten, so ist die letztere im
Verein mit jener diejenige der Moral, wodurch sie, wie jene durch
die Kunst, gleichzeitig Lebenserhöhung, Gattungsvervollkommnung
Bergemann, Soziale Pädagogik. 15