Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 27. Die Triebkräfte des Gemeinschaftslebens. 223
streben, nicht vereinzelt zu bleiben, sondern mit an-
derem Einzelnen sich zu verbinden zu einem höheren
Mannigfaltigen, zu einer organisierten und durch seine
Organisation, seine planvolle Vielgliedrigkeit höhere
Ziele erstrebenden und günstigere Erfolge erringenden
Gesamtheit. Man erinnere sich des von mir beigebrachten kon-
kreten Beispiels. Gehen wir die Reihe des Lebendigen durch, so
stofsen wir, je weiter wir die Leiter emporklimmen, auf immer
kompliziertere, zusammengesetztere Gebilde. Fassen wir die ein-
zelnen Menschen ins Auge, so gewahren wir, dafs jeder von ihnen
eine grofse, ja riesige Zellengemeinschaft ist, ein Wesen, in welchem
eine schier unübersehbare Menge von Kräften zu gewissen ein-
heitlichen Gesamtleistungen sich zusammengefunden hat und zwar
zu Gesamtleistungen, wie sie unter den uns bekannten Lebe-
wesen unübertroffen dastehen. Aber nicht nur derartige Zellen-
gemeinschaften, die wir in ihrer einheitlichen Gesamtheit Individuen
im engeren Sinne nennen, sehen wir entstehen; sondern allent-
halben machen wir die Wahrnehmung, dafs diese Individuen sich
noch weiterhin zu Gemeinschaften zusammenschliefsen, um ihre
Individual - Leistungen im Verein mit anderen zu steigern und,
was nicht übersehen werden darf, um sich in ihrer Art zu er-
halten. Damit sind die beiden Pole gegeben, um welche sich ja
alles Leben dreht: Erhaltung und Vervollkommnung der
Gattung. Weil dazu die Gemeinschaft unbedingtes Erfordernis
ist, darum sehen wir dieselbe eine so entscheidende Rolle spielen.
Freilich giebt es Wesen, welche sich fortpflanzen, also in ihrer
Art erhalten, ohne dazu der Gemeinschaft zu bedürfen, indem sie
sich teilen; aber es sind das Wesen, welche auf den alleruntersten
Stufen des Lebens stehen und stets da stehen bleiben. Wo immer
ein höher geartetes Wesen uns entgegentritt, ist es ent-
sprofst aus der Gemeinschaft zweier Wesen; und wo immer
wir ein vollkommeneres Leben antreffen, ist es die
Frucht der Gemeinschaft. In eminentem Sinne gilt das von
dem vollkommensten Leben, das wir kennen, von dem Leben des
Menschen, wie ich dies ja im einzelnen schon ausführlich genug
auseinandergesetzt habe. Aus der Gemeinschaft zweier Menschen ent-
springt die Existenz des Menschen. Seine körperliche Entwickelung
vollzieht sich in befriedigender Weise nur, indem er in der Gemein-
schaft aufwächst und zwar nicht etwa blofs in der seiner Erzeuger,
sondern in der gröfseren menschlichen Gemeinschaft, welche ihm
und seinen Eltern Schutz und Schirm vor den Fährlichkeiten und