Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
er des Glaubens an den Fortschritt, trotz mancher Erfahrungen,
die dagegen zu sprechen scheinen. Aber er setzt nun nicht etwa
einen überweltlichen Gott, der als eine Art deus ex machina ein-
zugreifen imstande ist; sondern er sucht nach Gründen, die seinen
Glauben stützen können. Und solche Gründe giebt es ja, wie wir
gesehen haben, thatsächlich. So gelangt der Kultur - Philosoph
und -Pädagog zu einer Vernunftreligion. Gott ist ihm kein trans-
zendentes, auch kein blofs vorwiegend transzendentes, persönliches
und vollkommenes, sondern ein durchaus weltimmanentes und un-
persönliches Wesen, die Welt selbst, das Allleben, dem die Ten-
denz der Entwickelung, der Vervollkommnung innewohnt, und
das diese Vervollkommnung nach immanenter Gesetzmäfsigkeit
erstrebt. Doch auch dabei kann der hochentwickelte Kulturmensch
nicht umhin, hinter das alles ein leises Fragezeichen zu setzen:
Vernunftreligion bedeutet eben Verzicht auf unbedingte Sicherheit,
auch auf unbedingte Gefühlsgewifsheit, bedeutet, wie erwähnt,
nur Randverzierung des Lebens, besonders in ihrer phantasie-
mäfsigen Ausgestaltung, etwa nach Art eines Eduard von Hart-
mann oder eines Lipiner. Von dieser höchsten Form der Religion
wird in anderem Zusammenhange nochmals ausführlicher zu reden
sein. Auch sie ist natürlich das Produkt des Gemeinschaftslebens,
nämlich des hoch entwickelten der modernen Kulturmenschheit.
Die Triebliräfte des Gemeinschaftslebens nnd ihre Ziel-
strebigkeit im allgemeinen nnd besonderen: pädagogische
Zwecksetznng.
§ 27.
Ist das Gemeinschaftsleben von so ungeheurer Bedeutung, wie
ich ausgeführt habe, und woran nach alledem kein Zweifel herrschen
kann, so müssen in ihm Kräfte wirksam sein, welche die hervor-
gehobenen Ergebnisse bedingen, Kräfte, welche ihren Ursprung in
der menschlichen Natur haben. In der That sind solche vor-
handen; es sind die Kräfte, die jeder von uns in sich selbst ent-
deckt, die aber erst zur Entfaltung kommen, wenn sie sich mit
denen der anderen vereinigen, und die dann gleichzeitig sich teil-
weise differenzieren und in ihrer Differenziertheit summieren.
Wir begegnen dieser Erscheinung überall da, wo überhaupt Leben
sich findet; stets hat ja, wie gesagt, das Einzelne das Be-