Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 4. Grenzen der Erziehung. 8CH00LMÜ8EUM
so z. B. Aristoteles, John Locke und der Franzose Helvetius,
der Geist des Neugeborenen stelle eine tabula rasa, eine leere
Tafel, ein weifses Blatt dar, auf das man nur zu schreiben brauche,
was einem beliebe. Wäre dem so, es wäre allerdings schön. Wir
würden dann das Kind in irgend ein Milieu, das wir für ange-
messen halten, bringen, und alles ginge vortrefflich. Und in der
That ist diese Ansicht auch heute noch sehr verbreitet, so dafs
ich gar nicht nötig gehabt hätte, auf Aristoteles, John Locke und
Helvetius zurückzugreifen. Auch jetzt noch giebt es Leute, welche
den Grundsatz predigen, dafs alle Bildung, alle Entwickelung vom
Milieu einzig und allein abhängig sei, nach seiner Beschaffenheit
richte sich die des Menschen. Zu diesen gehört u. a. der berühmte
Verfasser der „History of Civilisation in England", Buckle,
welcher eine ursprüngliche Gleichheit des Geistes aller Menschen
annimmt und alle Unterschiede auf die verschiedene geistige
Atmosphäre zurückführt, in welcher sie aufwachsen. Noch einmal:
es wäre schön, wenn es so wäre; die Erziehung wäre alsdann das
reine Kinderspiel. Aber es ist nicht so; die Erfahrung lehrt, dafs
der kindliche Geist keine tabula rasa ist. Freilich sind in ihm
nicht bereits diese oder jene ausgeprägten Züge vorhanden. Nicht
irgendwelche, nur eben schlummernde Vorstellungen, wie z. B.
Leibnitz sich die Sache dachte, bringt das Kind mit auf die
Welt; auch von angeborenen Ideen, zu denen nach Descartes
u. a. der Gottesbegrifif gehören soll, kann keine Rede sein, eben-
sowenig von apriorischen Denk- und Anschauungsformen, wie sie
Kant annimmt, oder von angeborenen Urvermögen, auf welche
Beneke alle psychischen Prozesse zurückführt. Sondern es handelt
sich lediglich um gewisse Funktionen, die als Anlagen oder Prädis- ■
Positionen zu bezeichnen sind, weil sie nicht von vornherein in '
ihrem vollen Umfange in die Erscheinung treten, sondern erst
allmählich zur Entfaltung kommen.
Wir nehmen wahr, dafs die Kinder ihren Eltern ähnlich sehen,
wie leiblich, so auch geistig; dafs die nämlichen Einwirkungen bei
verschiedenen Kindern ganz verschiedene Folgen haben. Wir sehen
ferner, dafs bei manchen Kindern aufserordentlich früh Talente
sich zeigen; dafs die einen leicht und schnell, die anderen schwer
und langsam auffassen und lernen u. dgl. m. Woher kommt das
alles? Das Milieu und der von ihm auf das kindliche Seelenleben
ausgehende Einfluls reichen sicherlich nicht zur Erklärung dieser
Thatsachen aus; denn in demselben Milieu entwickeln sich, wie
die Erfahrung lehrt, die Menschen, sogar ganz nahe mitein-