Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 25. Die Kultur als Produkt des Gemeinschaftslebens. 219
der Gesellschaft, des Gemeinwesens war. welches diese Einrichtung
gegenüber der allgemeinen Rechtlosigkeit der Fremden „als die
einzig mögliche Form eines friedlichen Handelsverkehrs mit An-
gehörigen fremder Völker" aus sich hervorgehen liefs, wodurch
ja auch dem Individuum gleichzeitig aller Schutz, den es nur
wünschen konnte, gewährleistet ward. So wurde die Gastfreund-
schaft um ihrer grofsen Vorteile willen für den Einzelnen wie für
die Gesamtheit Sitte in der Gemeinschaft; sie zu verletzen war
ein Verbrechen, war unsittlich, sie zu üben war eine Tugend,
war Pflicht jedes Menschen. Bei so grofser Bedeutung dieser
Sitte lag es nun nahe genug, sie unter den Schutz der Götter zu
stellen und mit religiösen Kulthandlungen und Zeremonien in
Verbindung zu bringen. — Häufig scheint die Sitte auch geradezu
aus religiösen Vorstellungen entsprungen zu sein; sie erscheint
dann direkt als Kulthandlung und verdankt ihre verpflichtende
Kraft „teils der Gemeinsamkeit des Kultus, teils der Wichtigkeit,
die diesem vermöge seines Einflusses auf die Gunst oder Ungunst
der Götter für das Wohl aller beigelegt wird." Wenn dann später
der Zusammenhang zwischen Sitte und Religion sich lockert und
schliefslich, was gewöhnlich der Fall zu sein pflegt, völlig in Ver-
gessenheit gerät, verblafst natürlich auch die anfangliche Be-
deutung der Sitte, und nun kann zweierlei eintreten: entweder
bleibt die zur Gewohnheit gewordene Handlung als blolser, nun-
mehr aber sinnloser Brauch, der harmlos sein kann, aber unter
Umständen auch als Unsitte zu bezeichnen ist, bestehen, oder sie
schafft sich einen neuen Zweck. Für solche Zweckmetamorphosen
der Sitte führt Wundt verschiedene Beispiele an. So beruht die
Sitte des Zutrinkens, die jetzt günstigen Falls den Zweck verfolgt,
das Wohlwollen, das man für jemanden hegt, zum Ausdruck zu
bringen, ursprünglich auf der Sitte, Trankopfer in Verbindung mit
gemeinsamem Trünke als dem Symbole der Verbrüderung darzu-
bringen. Die noch, namentlich auf dem Lande, üblichen Leichen-
schmäuse führen auf die Kult-Sitte des Totenmahls, das gleich-
zeitig Opfer- und Erinnerungsmahl ist, zurück. Später hatte die
Sitte den Zweck, ein recht zahlreiches Leichengefolge anzulocken
und wohl daneben noch den, auch bei einer derartigen traurigen
Gelegenheit seinen Reichtum zeigen zu können. — Endlich mögen
manche Sitten aus blofser individueller Gewohnheit ohne anfäng-
liches Bewufstsein eines Nützlichkeitszweckes irgendwelcher Art ent-
sprungen sein. Eine individuelle Gewohnheit, in unbewufster An-
passung an gewisse Lebensbedingungen entstanden, ward nämlich