Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
wir uns ihre Entstehung zu denken und zu erklären? Die Antwort
darauf erscheint im ersten Augenblicke schwieriger, als sie in
Wirklichkeit ist. Fassen wir die Sitte ihrem Wesen nach ins Äuge,
so finden wir ganz unzweifelhaft eine Analogie zwischen ihr und
dem Instinkte der Tiere. Wie die tierischen Instinkte so sind auch
die menschlichen Sitten „zweckmäfsige Verfahrungsweisen zur
Lösung komplizierter Lebensaufgaben." Die Analogie geht sogar
teilweise noch weiter, indem die Sitten gerade wie die Instinkte
häufig ohne Einsicht in ihre Zweckmäfsigkeit geübt werden. Aber
sie unterscheiden sich von den Instinkten dadurch, dafs der Mensch
um die Sitten weils und sie übt mit dem Bewufstsein ihres Daseins
und ihrer Verbindlichkeit, wenngleich, wie gesagt, nicht stets ihrer
Zweckmäfsigkeit: diese findet man oft nur mit Hilfe besonderer,
darauf gerichteter Reflexion heraus; bisweilen vermag sie blofs das
suchende Auge des Forschers zu entdecken, der selbst da noch
Zwecke in der Sitte uns aufzeigt, wo der gewöhnliche, der sogen,
gesunde Menschenverstand nichts anderes als leeren, ja sinnlosen
und albernen Brauch erblickt. So ist es jetzt; aber einstmals, in
der Entstehungszeit der Sitte lag die Sache natürlich anders: da war
man sich ihres Zwecks wohl bewufst. Gehen wir den Zwecken
in der Sitte nach, so stofsen wir letzten Grundes stets auf ein
bald allgemeineres, bald eingeschränkteres Schutzbedürfnis, das
die Sitte trägt und, in meist veränderter Form, auch dann noch
am Leben erhält, wenn der ursprüngliche Zweck: Befriedigung des
Schutzbedürfnisses durch Gewährung entsprechenden Schutzes,
untergegangen ist, wie dies u. a. am Beispiele der Gastfreundschaft
deutlich wahrzunehmen ist.
Noch allgemeiner können wir sagen, dals es das Nützliche
ist, das die Sitte hat entstehen lassen. Das Nützliche will jeder,
und zwar mufste das Urteil über den Nutzen um so gleichförmiger
sein, je einfacher und übereinstimmender die Lebensbedürfnisse
waren, wie eben in der Vorzeit. Was so jedem nützlich schien,
und was zu unterlassen allen Nachteil zu bringen drohte, das ward
zur, für jeden unbedingt verbindlichen Satzung. So bildete die
Sitte sich in der Gemeinschaft als Norm des willkür-
lichen Handelns aus. Gerade das schon angezogene Beispiel der
Gastfreundschaft läfst uns besonders deutlich den Zweck der Sitte als
auf das generell Nützliche, welches das individuell Nütz-
liehe einschliefst, gerichtet erkennen, wie das Ihering im Juniheft
der „Deutschen Rundschau" (1887) sehr hübsch auseinandergesetzt
hat. Er zeigt, dafs es das praktische, das Nützlichkeits-Interesse