Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 25. Die Kultur als Produkt des Gemeinschaftslebens. 217
welche Recht und Moral nach wie vor zur Religion haben:
dieselbe verdammt als den göttlichen Geboten zuwiderlaufend,
was rechtswidrig und unmoralisch ist.
Ich brauche auf die Lebensnormen, welche Sitte, Recht, Moral
aufstellen, im einzelnen nicht einzugehen; sie verfolgen alle den
einen Zweck, das Zusammenleben der Menschen zu regeln, und
spiegeln alle die immer komplizierter werdenden Formen desselben
wieder, was ja schon aus dem über die Entwickelung der Rechts-
normen Gesagten ersichtlich ist und uns die Erfahrung überall
deutlich vor Augen führt, die geschichtliche sowohl als auch die
uns unmittelbar zugängliche. Kurz: sie entwickeln sich in
und mit dem Gemeinschaftsleben, um dessen willen sie
vorhanden sind, und dem sie ihre Existenz verdanken.
Darüber noch ein Wort. Sitte, Recht, Moral waren, wie wir
wissen, ursprünglich ein Einheitliches: eben Sitte schlechthin,
welche alle Lebensverrichtungen aufs peinlichste und strengste
regelt, wie wir dies bei primitiven Völkern noch beobachten
können. Nichts ist falscher als die Vorstellung, dafs der Natur-
zustand des Menschen in jeder Hinsicht ein solcher der ungebunden-
sten Freiheit sei: der Wilde tritt uns vielmehr vielfach geradezu
als Sklave der Sitte entgegen. Dieselbe übt einen höchst energi-
schen Zwang aus mit Hilfe von zum Teil auch höchst energischen
Mitteln physischer und psychischer Art, ganz wie später das aus
der Sitte ausgeschiedene Recht einer- und die selbständig gewor-
dene Moral anderseits. Mifsachtung und Verletzung der Sitte
ziehen persönliche Zurücksetzung und aufserdem unter Umständen
Züchtigungen an Leib und Leben nach sich. In gewisser Hinsicht
hat die Sitte diese Zwangsgewalt bis auf den heutigen Tag sich
zu bewahren verstanden. Man bedenke, dafs wie der Rechts-
verletzer und der Unmoralische so auch „der Ungesittete" oder
der mit der herrschenden Sitte in Widerstreit Lebende sich noch
immer der Gefahr aussetzt, Einbufse an sozialem Ansehen zu er-
leiden. Die Sitte übt also gerade wie Recht und Moral auch bei
uns noch einen energischen Zwang aus, nur steht sie darin jetzt
der Moral näher als dem Recht; denn es handelt sich bei ihr ja
nicht mehr um einen physischen, sondern blofs noch um einen
psychischen Zwang, den wir geradezu als moralischen bezeichnen.
Derselbe macht sich bekanntlich oft genug in der empfindlichsten
Weise fühlbar und vermag sehr wohl mit Gewissen und Gesetz
zu konkurrieren, ja, ist nicht selten stärker als beides.
Woher aber stammt nun die Sitte der Urzeit? Wie haben