Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
der Staat sich endgiltig als Rechtsgemeinschaft, und zugleich war
nun der Weg gefunden, auf welchem eine fortschreitende Erweiterung
seiner Aufgaben stattfinden konnte.
Diese Entwickelung des Rechts wirkte auch mächtig auf das
Sittliche ein, indem es die Ausscheidung gewisser sittlicher Normen
aus dem Umkreis der Regeln der Sitte und ihre weitere selb-
ständige Ausgestaltung beförderte. In dieser Hinsicht ist nament-
lich die Aneignung der Strafgewalt durch den Staat von eminenter
Wichtigkeit gewesen. Durch die öffentliche Brandmarkung und
Bestrafung gewisser Thaten, mag das auch nur um Aufrecht-
erhaltung der staatlichen Rechtsordnung willen geschehen, wird
denselben eine erhöhte Bedeutung beigemessen, werden sie
ostentativ aus dem alltäglichen und gewöhnlichen Thun heraus-
gehoben und zu Gegenständen besonderer Beachtung gemacht.
Auf diese Weise ward der Anstois gegeben, dafs in dem weiten
Gebiete der Sitte das Innerliche überhaupt von dem mehr oder
weniger Äufserlichen immer sorgfältiger sich absonderte und
sich davon zurückzog; dieses Innerliche, das in seinem Kern-
Bestandteil mit dem Recht übereinstimmte, aber durch alles das,
was sich um den Kern mit der Zeit noch her umgruppierte, über
die Rechtssphäre schliefslich weit hinausragte, verdichtete sich
allmählich zum Sittlichen, während das Äulserliche der Sitte als
Sitte, die nun vorwiegend ein sittlich wie rechtlich Indifferentes
und ein Formales ist, ein besonderes Gebiet ausmachte. So be-
stand und besteht fortan neben der Religion mit ihren Geboten
ein Dreifaches, das voneinander geschieden ist und doch noch mit-
einander in mancher Hinsicht zusammenhängt, Sitte, Recht und
Moral. Von diesem Zusammenhange giebt der Umstand Kunde,
dals, wer rechtswidrige und unmoralische Handlungen begeht,
wie gegen Recht und Moral so auch gegen die Sitte, wenigstens
im grofsen und ganzen, nämlich gegen die gute Sitte, verstöfst.
Aber aufser diesem rechtlichen und moralischen Kern enthält die
Sitte eben zumeist, was rechtlich und moralisch indifferent, daneben
sogar einiges, was rechtswidrig und unmoralisch ist, und was wir
als Unsitte bezeichnen: man denke an den von der Sitte auf-
gestellten Ehrenkodex mit dem Unfuge des Duells. Der Zu-
sammenhang, der zwischen Recht und Moral besteht, erhellt schon
aus dem zuvor gesagten; sehr viele Handlungen fallen unter den
Begriff wie der rechtlichen so auch der sittlichen Schuld: Mord
und Diebstahl sind nicht nur unrecht, sondern desgleichen unsitt-
lich. Hier mufs auch auf die enge Beziehung hingewiesen werden,