Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 25. Die Kultur als Produkt des Gemeinschaftslebens. 215
einerseits dem Staate ermöglichen, die Rechtsordnung aufrecht-
zuerhalten, und die anderseits den Einzelnen in den Stand
setzen. Recht zu suchen und zu finden; ein geschriebenes Recht
existiert jedoch anfangs noch nicht. Ja, die Rechtsnormen
selbst sind im einzelnen und besonderen Falle ihrer Anwendung
ursprünglich noch schwankend; was in einem gegebenen Falle
wirklich Recht ist und was nicht, mufs erst — und zwar sehr
häufig unter Anlehnung an die bestehende Sitte — mit Auf-
bietung grofsen Scharfsinns entschieden werden. Aus mehreren
solchen Entscheidungen bei gleichartigen Fällen bildet sich all-
mählich eine Rechtsgewohnheit; dieselbe befestigt sich, erlangt
bindenden Charakter und wird, auf die Zukunft übertragen, zum
Gewohnheitsrecht, aus welchem endlich durch schriftliche Fixierung
und Sanktionierung das Gesetzesrecht entsteht. — Nachdem die
Rechtsordnung unter den Schutz des Staates gestellt worden war,
mufste auch die Strafgewalt demselben anheimfallen; denn ein
Verbrechen tastete jetzt nicht mehr blofs die persönlichen Rechte
Einzelner an, sondern bedeutete ja nunmehr einen Eingriff in die
Rechtssphäre des Staates. Diese Erkenntnis, ferner die Erfahrung,
dafs die private Straf-Vollziehung, die Privatrache, den öffent-
lichen Frieden unablässig gefährdete, und endlich das Streben,
die Kräfte des Staates durch eine festere Rechtsordnung im Inter-
esse der Gesamtheit zusammenzuhalten, führte dazu, dafs der Staat
bei Rechtsbrüchen zunächst die Vermittlerrolle übernahm, dann
sich aber allmählich das ausschliefsliche Strafrecht beilegte und
hinfort jeden Versuch, ,die eigene Rechtnehmung" wieder einzu-
führen, selbst als strafbar verfolgte. In der Urzeit bestand, wie
wir wissen, die Sitte, dafs die Gens für jedes einem ihrer An-
gehörigen zugefügte Übel die Rache übernahm; wenn jemand
einen Gentilgenossen schmähte oder schlug, verwundete oder
tötete, so fühlte sich die ganze Gens angegriffen und beleidigt,
wie sie umgekehrt für jedes von einem der Ihrigen gethane Böse
haftete. In solchen Fällen wurden daher Verhandlungen zwischen
den Gentes gepflogen, und führten dieselben nicht zu gütlicher
Vereinigung, so erfolgte die Blutrache der Gentes untereinander.
Diese Sitte übertrug sich von den alten uterinen Gentes später
auch auf die paternalen Sippen, und aus ihr entwickelte sich dann
das Recht des privaten Strafvollzuges bei begangenen Verbrechen,
bis eben endlich aus eigener Notwehr der Staat das Strafrecht
den Händen der Einzelnen entrifs und für sich allein in Anspruch
nahm. Dieser Schritt ist höchst bedeutsam; damit konstituierte