Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
und feststellen können: es ist nämlich die Regelung des Besitzes,
welche sich als die hauptsächlichste Aufgabe aller beginnenden
Gesetzgebung erweist. Wir wissen, dafs aller namhafte Besitz,
vornehmlich der Besitz an Grund und Boden ursprünglich Ge-
samteigentum war: den Boden, den er urbar gemacht und ge-
meinsam, mit vereinten Kräften gegen äufsere Feinde, gegen
andere Stämme verteidigt hatte, betrachtete der Stammesverband
als gemeinsamen Besitz, von dem er seinen Angehörigen je einen
Teil zur Benutzung überwies. Der Privatbesitz war in primitiven
Zeiten noch aufserordentlich geringfügig; seinen Hauptbestandteil
machten Kleider, Schmuck, Waffen und Geräte aus. Zur Regelung
derartig einfacher Besitzverhältnisse genügte die Sitte; so geht,
herrschender Sitte gemäfs, bei dem Todesfalle eines Gentilgenossen
sein Eigentum gröfsten Teils in den Besitz der Gens über, blofs
ein kleiner Anteil fällt, stirbt die Mutter, den Kindern, stirbt
der Mutter-Bruder, den Neffen und den Nichten zu. Mit dem
Anwachsen der beweglichen Habe sahen wir jedoch auch die An-
sprüche der Kinder, der Neffen und Nichten an die Hinterlassen-
schaft der Mutter und des mütterlichen Onkels gegenüber denen
der Gens wachsen. Als nun aber gar die Aufteilung von Grund
und Boden stattgefunden und so die Bildung des Privateigentums
auf dem Wege einer Ausscheidung aus dem Gesamteigentum sich
durchgängig vollzogen hatte, galt es, diesen, jedenfalls mühsam
genug errungenen Besitz zu sichern, was durch besondere Schutz-
mafsregeln und Vorrechte geschah: mit der Herausbildung solcher tritt
die Rechtsordnung auf. Aufserdem führte die nunmehr eingetretene
vollständige Verschiebung der Personal-Verhältnisse notgedrungen
zur B'ormulierung von besonderen Rechtsgrundsätzen: man denke
an die Einführung der Sklaverei, an die veränderte Art der Ehe-
schliefsung, an das Aufkommen der väterlich-patriarchalischen Ge-
walt und an die auf dieser Grundlage erfolgte Neukonstituierung
der Gesellschaft. Alle die durch diese ganze grofse soziale Umwälzung
bedingten Rechts-Normen wurden schliefslich unter den direkten
Schutz des Staates und seiner Organe gestellt, der ihnen nun teils
durch Verkündigung seiner Vorschriften und Urteile, teils, wenn
das nicht genügte, durch die Anwendung von Zwang Geltung
verschaffte, sie gleichzeitig als eine ihn selbst bindende Macht
anerkennend, was zum vollen Begriffe der Rechtsordnung geradeso
unerläfslich ist wie jenes.
Dieser Rechtszustand findet seinen äufseren Ausdruck zu-
nächst blofs in gewissen öffentlichen Institutionen, welche es