Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
psychischen Geschehens, die aller Aufmerksamkeit erregten, wurden
Gegenstände besonderer Spekulation und mannigfachen Nachdenkens:
wie kommt es, dafs die Menschen sich zu erinnern vermögen, oder
dafs sie vergessen? solche Fragen, mit denen man sich allgemein
beschäftigte, veranlafsten die Denker zu verschiedenen Deutungs-
und Erklärungsversuchen u. dgl. m.*) Ganz abgesehen von den
an die praktischen Bedürfnisse der Menschen anknüpfenden Wissen-
schaften, welche entstanden, nachdem Massen einzelner, aus der
praktischen Erfahrung geschöpfter Beobachtungen und Vorstellungs-
verknüpfungen sich bereits angesammelt hatten, die nunmehr eine
hinreichende Grundlage für weitergehende Denkarbeit darzubieten
vermochten. Was Künstler und Denker auf diese Weise
leisten, befruchtet dann wieder den Gesamtgeist, veredelt
und vertieft ihn, wird also geistiger Gemeinbesitz und als
solcher mittels der Erziehung von einer Generation auf
die andere übertragen. Bei hochentwickeltem Gemeinschafts-
leben sehen wir endlich die Pflege von Kunst und Wissenschaft
geradezu öffentliche Angelegenheit werden; Schulen und Biblio-
theken, Akademien und Museen werden gegründet und mit deren
Leitung besondere Personen als öffentliche Charaktere betraut;
schliefslich wird sogar ganz ausdrücklich von jedem Gliede der
Gesellschaft ein gewisses Mindestmafs des Wissens und Könnens,
das man mehr oder weniger genau umgrenzt und festsetzt, ver-
langt. Aus alledem erhellt, dafs künstlerische und wissenschaftliche
Leistungen durchaus ihre Entstehung dem Gemeinschaftsleben ver-
danken, also Produkte desselben sind; die glänzendsten Anlagen
wären völlig wertlos, wenn der mit ihnen ausgerüstete Mensch
aus der Gemeinschaft ausgeschlossen würde: sie können sich nur
in ihr auf der Grundlage und mit Hilfe des schon vorhandenen
geistigen Gemeinbesitzes entfalten, wie ich das auch bereits zu
zeigen Gelegenheit hatte, als ich von der Entwickelung des Genies,
und dann wieder, als ich von der sozialen Bedingtheit des Indi-
viduallebens sprach.
Wie Kunst und Wissenschaft so verdanken endlich Sitte
und Recht, Moral und Religion ihre Entstehung und ihre
Entwickelung ebenfalls dem Gemeinschaftsleben. Ursprünglich
waren diese verschiedenen Gebiete geistiger Lebensbethätigung
*) Man vergleiche: Bergemann, „Gedächtnis-theoretische Unter-
suchungen und mnemotechnische Spielereien im Altertume" im „Archiv
für Geschichte der Philosophie". Bd. VIII. Heft 3 u. 4.