Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 25. Die Kultur als Produkt des Gemeinschaftslebens. 211
thatsächlich ein enger Zusammenhang besteht; ein neues Licht
fällt auf diesen Zusammenhang, wenn wir bedenken, dafs beide ur-
sprünglich zur Religion in intimsten Beziehungen gestanden haben,
dafs fernerhin ihr hervorragendster Gegenstand stets das Gemein-
schaftsleben gewesen ist, der Wissenschaft, um seine Gesetze zu
erforschen und Regeln für seine bestmögliche Gestaltung daraus
abzuleiten, der Kunst, um gemeinsame oder im Interesse der
Gemeinschaft gethane Thaten zu verherrlichen. Jedoch nicht
blofs dergleichen Zusammenhänge existieren zwischen Kunst und
Wissenschaft auf der einen und dem Gemeinschaftsleben auf der
anderen Seite; dasselbe schafft bei vollkommener Organisation
nicht blols den Boden, auf welchem jene gedeihen, und liefert
nicht blofs diese und jene Stoffe, mit denen sie sich beschäftigen
können, sondern es leistet noch weit mehr als alles das: es
erzeugt einen Gesamtgeist, der die Quelle ist, aus welcher
Kunst und Wissenschaft immer imd überall schöpfen. Be-
züglich der Kunst ist das leicht genug zu begreifen: der Küpstier
verleiht ja, wie wir das überall deutlich sehen, dem nur be-
stimmte Form und Gestalt, was aller Denken und Fühlen bewegt.
Dasselbe gilt aber auch für den Mann der Wissenschaft; die
Fragen, mit denen sich alle beschäftigen, werden für ihn Probleme
gründlicherer Reflexion. Wenn ich hier einige besonders augen-
fällige Beispiele anführen soll, so erinnere ich vor allem an die
antike Kunst und an diejenige des Mittelalters. In der neueren
und neuesten Zeist denke man an die Dichtung der Freiheitskriege
und an die des sogen, jungen Deutschlands, ferner an die „soziale"
Kunst der Gegenwart, welche auf dem Gebiete der bildenden
Kunst namentlich der geniale belgische Bildhauer Charles Meunier
und auf dem der redenden so mancher glänzende Geist vertritt,
ein Zola, ein Gerhart Hauptmann, ein Sudermann, ein Leo
Tolstoj, eine Ada Negri u. a. m. Was die Wissenschaft betrifft,
so müssen wir an ihre Quellen zurückgehen, wenn wir den engen
Zusammenhang zwischen ihr und dem Gesamtgeiste ganz klar
und unzweideutig darlegen wollen. Halten wir uns z. B. an die
Anfänge der griechischen Wissenschaft, so finden wir, dafs ihre
Probleme in der That von der Art sind, wie sie aller Menschen
Nachdenken herausfordern; da begegnen uns die Probleme der
Genesis der Dinge, des Weltstoffes, der Weltordnung und des
Weltprozesses, ferner alle die Probleme, welche die Betrachtung
des toten und des lebendigen Körpers und der Vergleich des einen
mit dem anderen aufgeben. Auch einzelne Erscheinungen des
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