Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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4 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
Bei weitem nicht so günstig liegt dagegen die Sache, wenn
es sich um die Entscheidung darüber handelt, ob auch das Gemüt
des Menschen durch Erziehungsmafsnahmen beeinflufsbar, also ob
es bildsam ist. Auf dem Gebiete der Zucht im besonderen sind
so augenfällige Beweise des Fortschrittes wie auf dem der leib-
lichen Pflege und der intellektuellen Bildung nicht gegeben. Wie
oft hört man Erzieher und Erzieherinnen klagen, dafs in dieser
Hinsicht mit ihren Zöglingen nichts anzufangen sei. Und dennoch
ist auch hier die Bildsamkeit nicht ausgeschlossen; die Erfahrung
zeigt, dafs unablässige, beharrliche Gewöhnung, in deren Dienst
Lohn und Strafe, Beispiel und Umgang stehen, das Gemüt des
Menschen zu beeinflussen vermag. Nur darf man dabei nicht zu
viel erwarten, nicht auf Fortschritte von heut zu morgen rechnen.
Sondern von Zeit zu Zeit, nach längeren Zwischenräumen, mufs
man das Fazit seiner Bemühungen ziehen, alsdann wird man zu-
frieden sein können. Nirgends verdirbt die Ungeduld der Erzieher
mehr als auf dem Gebiete der Zucht. Man berufe sich auch nicht
auf Schopenhauer. Gewifs war er ein grofser Philosoph, ein feiner
und scharfer Denker und guter Beobachter des Lebens und Treibens
der Menschen, von dem wir aufserordentlich Vieles lernen können.
Aber auch er hatte seine schwache Seite, seine Achillesferse. Das
war seine Metaphysik, seine Meinung von den letzten Dingen,
vom Grunde der Welt, seine Ansicht über das Woher? und Wo-
hin? und über das eigentliche Wesen des Menschen. Wenn die
Erfahrung damit nicht übereinstimmte, so liefs er dieselbe einfach
bei Seite oder bog und krümmte sie so lange, bis sie in den
Rahmen pafste, der das Bild seiner vorgefafsten Weltanschauung
umgiebt.
Möglich ist also Erziehung in jeder Hinsicht, das
lehrt uns die Erfahrung unwiderleglich. Sie zeigt uns,
dafs der Mensch, das Individuum bildbar ist leiblich wie
geistig und dabei wieder sowohl nach der intellektuellen
als auch nach der gemütlichen Seite hin.
Grenzen der Erziehung.
§
Aber wir dürfen uns anderseits doch auch nicht verhehlen,
dafs die Erziehung ihre Grenzen hat. Dieselben werden gezogen
durch die Anlagen des Zöglings. Früher nahm man vielfach an.