Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
neue Bahn. Das wohlgeregelte und wohlgeordnete Zusammenleben
von Eltern, Kindern, Enkeln und Urenkeln unter dem strengen
Regimente des Familienoberhauptes, des Patriarchen, ist eine vor-
treffliche Schule der Selbstzucht, in welcher der Knabe in der
rechten Weise gebieten lernt, dadurch, dals er zunächst einmal
sich üben mufs in dienender Unterordnung und in pünktlichstem
Gehorsam. Die ununterbrochene Fortsetzung der Traditionen durch
Generationen hindurch, wie sie jetzt erst wirklich möglich war,
und wodurch auch der für die sittliche Entwickelung so bedeut-
same Ahnenkult entstand, führte wie zur Anhäufung materiellen
so ebenfalls geistigen Besitzes und erleichterte und beförderte den
Kulturfortschritt. Auf diese Weise entstand allmählich ein reiches
und vielgestaltiges Kulturleben, für das der Staat den Rahmen
abgab, und das sich innerhalb dieses Rahmens durch den Wett-
streit der Familien immer mehr und mehr entfaltete, vornehmlich
deshalb, weil dieser Wettstreit stets neue Arbeitsteilungen, be-
ständig weitergehende Differenzierung und Spezialisierung der
Arbeit herbeiführte.
§ 26.
Indem die Entwickelung des Gemeinschaftslebens ganz von
selbst zu immer höherer politischer und wirtschaftlicher Kultur
führte, ward damit zugleich die Bedingung für das Empor-
kommen von Kunst und Wissenschaft gegeben. Beider Anfänge
fallen freilich mit denen aller Kultur überhaupt zusammen und
sind somit bereits in die primitiven Urzeiten zu verlegen. Aber
ihre reichere Entfaltung wurde doch erst mit der weitergehenden
Teilung der Arbeit möglich, und nachdem mit der Ansammlung
grofsen Besitzes die mannigfachen Luxusbedürfnisse entstanden
waren und die Einführung der Sklavenarbeit mehr Mufse für
andere Beschäftigungen geschaffen hatte. Dazu kommt, was
namentlich für die Entwickelung der Wissenschaft wichtig, aber
auch für die Kunst natürlich sehr bedeutsam ist, die, durch die
festere Organisation bedingte, gröfsere Stetigkeit der Tradi-
tion; denn aller Fortschritt beruht, worauf ich schon einmal hin-
gewiesen habe, ganz wesentlich auf der Summation der Leis-
tungen des Menschengeistes, und diese Summation wird
durch die Tradition bewirkt: indem sie Leistung auf Leistung
schichtet, hebt sie das Kulturniveau allmählich immer höher und
höher. Aus dem Gesagten erhellt schon, dafs zwischen Kunst
und Wissenschaft einer- und dem Gemeinschaftsleben anderseits