Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 25. Die Kultur als Produkt des Gemeinschaftslebens. 209
technischen und intellektuellen, moralischen und religiösen Fort-
schritte wurde. Das überwiegend männliche Herrschaftsverhältnis,
auf dem die patriarchalische Familie beruhte, und das einseitig aristo-
kratische Element, das sie in die Welt brachte, mufsten freilich all-
mählich überwunden und wieder beseitigt werden im Interesse der
allseitigen Ausbreitung, der Verallgemeinerung der Kultur; jedoch
darf das der Würdigung und Anerkennung ihrer aufserordentlichen
Bedeutung für den Kulturfortschritt keinen Abbruch thun. Es ist
die Aufgabe unserer Zeit, die letzten der Schatten zu verscheuchen,
welche im Gefolge der patriarchalischen Familie und der auf ihr
beruhenden Gesellschaft erschienen; die letzten Glieder der Kette
zu zerbrechen, mit der sie die ganze weibliche Hälfte des Menschen-
geschlechtes und einen grofsen Teil der männlichen in Fesseln
schlug zu Gunsten einer Minderzahl; kurz: alle Menschen zu wirk-
lich freien Gliedern der Gesellschaft zu machen und sie an allen
Segnungen der Kultur vollen Anteil nehmen zu lassen. Das kann
freilich nur dadurch geschehen, dals die patriarchalische Familie
völlig verschwindet und ersetzt wird durch die Familie, welche
sich aufbaut auf der Ehe als freigewollter Lebensgemein-
schaft gleichberechtigter Menschen, und dadurch, dafs der
Arbeit als alleinigem sozialen Wertungs-Prinzipe wahr-
haft unbedingte Geltung verschafft wird. — Was nun die
Bedeutung der patriarchalischen Familie betrifft, so ergiebt sich
dieselbe aus Folgendem. Die, wie schon mehrfach erwähnt, in
ihr herrschende energische Zentralisation, welche in der unum-
schränkten Herrscherstellung des Vaters ihren äufseren Ausdruck
findet, bedingt einen aufserordentlich festen Zusammenhalt und
ermöglicht erst eine gründhche Arbeitsteilung und damit eine
erhebliche Verbesserung der einzelnen Arbeiten, indem den ver-
schiedenen Gliedern des sehr grofsen, aufserordentlich viele Per-
sonen umfassenden Familienhaushaltes ganz bestimmte Verrich-
tungen von dem Gebieter zugewiesen werden. Anfänge dessen
konnten wir allerdings früher schon bemerken; aber über solche
hinauszukommen war der Urgesellschaft unmöglich, da in ihr die
Arbeit hauptsächlich den Frauen oblag, und es darf wohl nicht
daran gezweifelt werden, dafs die Mutterschaft mit allen zu
ihr gehörigen Aufgaben einen Zustand undifferenzierter
Arbeit entschieden begünstigte. Fernerhin gewährleistet die
patriarchalische Familie, da sie ein individualisiertes Vaterhaus
zu bieten vermag, eine individuelle Erziehung, die Entwickelung
individueller Charaktere und eröffnet damit dem Fortschritt eine
Bergemann, Soziale Pädagogik. 14