Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
der Arbeitsteilung sind allerdings bereits vorhanden, aber der Haupt-
sache nach als natürliche oder geschlechtliche; eine straffe Zen-
tralisation und eine durchgreifende und umfassende Organisation
fehlen noch: weder Stamm noch Gens noch Muttergruppe haben
ein sehr festes und einheitliches Gefüge aufzuweisen. Es ist das
die Folge des Fehlens einer kräftigen Regierungsgewalt, ein Mangel,
der sich besonders hinsichtlich des Zusammenhaltes der Gentes und
der Stämme fühlbar machte; wenn der natürliche, psycho-physisch-
sympathische Zusammenhang nicht ausreichte, was bei einer sehr
grofsen Zahl von Stammesmitgliedern nur zu oft vorkommen
mochte, fielen leicht die Stämme und die Gentes auseinander. Was
die Muttergruppen betrifft, so existierten dieselben immer nur eine
verhältnismäfsig kurze Zeit, eine bestimmte Anzahl von Jahren
und verschwanden dann wieder in der gröfseren Geschlechtsgruppe
der Gens. Dadurch war alle Überlieferung schwächer und unter-
brochener, aller Fortschritt somit schwieriger. Dazu kommt,
dafs die Söhne meist schon frühe die Mutter verliefsen, um in
Gentilhäusern, wie wir sahen, gemeinsam erzogen und für Jagd
und Krieg geschult zu werden, eine Einrichtung, wie wir sie aller-
dings auch später noch bisweilen wiederfinden, z. B. bei den
Doriern, namentlich in Sparta. Unzweifelhaft konnten auf diese
Weise männliche Tugenden sich ausbilden; aber anderseits ward
so der sittigende Einflufs des Eltern-, bezw. des Mutterhauses, wie
wir in unserem Falle sagen müssen, stark abgeschwächt; und
aufserdem hatte dies die Erziehung herdenmäfsiger, nicht aber in-
dividueller Charaktere zur Folge, was Konservatismus bedingt und
den Fortschritt hemmt oder doch verlangsamt. So sehen wir die
Stämme mit uteriner Gentilverfassung, welche wir näher kennen,
in der That nicht über die Anfänge der Kultur hinauskommen.
Sie haben wohl schon eine gewisse Kultur erreicht; wir treffen
ja bei ihnen gewisse kriegerische, gesellschaftliche und politische
Organisationen an, eine gewisse Verehrung von Göttern und
Geistern, eine gewisse Industrie, auch bereits dauernde Nieder-
lassung , befestigte Dörfer und Holzhäuser mit verschiedenen
Räumen und endlich etwas Ackerbau, auch mannigfache Steinwerk-
zeuge und Waffen. Aber alle höhere Kultur entwickelte sich
doch erst, nachdem der grofse Umschwung, nachdem die Konsti-
tuierung der Gesellschaft auf der Grundlage der patriarchalischen
Familie sich vollzogen hatte. Dieselbe brachte sicherlich viele
Härten mit sich; aber es kann keinem Zweifel unterliegen, dafs sie
trotzdem gewissermafsen das Gefäfs, dafs sie die Ursache der gröfsten