Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Tugenden traten naturgemäfs mit der stetig wachsenden Bedeutung
des öffentlichen Lebens und seiner beständig zunehmenden Aus-
dehnung immer mehr und mehr in den Vordergrund, während
den Familientugenden fort und fort eine bescheidenere Rolle zu-
fällt, ohne dafs sie jedoch als unwichtig angesehen werden dürfen:
sie sind als Vorstufe jener geradezu unentbehrlich, und wir können
stets die Beobachtung machen, dafs, wenn sie entarten, auch ein
Verfall, eine Entartung der politischen Tugenden eintritt. Ja,
auch die alten Sippentugenden brauchen wir noch, nämlich als
Zwischenstufe zwischen den Familien- und den politischen Tugen-
den; und in der That stofsen wir auf sie noch allerorten und
allenthalben, wenngleich in anderen Rahmen als früher. Die ehe-
maligen Gentes, Geschlechter, Sippen sind zerfallen und unwieder-
bringlich dahin; aber erhalten geblieben ist der Geist, der in ihnen
lebte und webte, und dieser Geist der treuen Kameradschaftlichkeit
hat sich neue Gefäfse für seine Aufnahme gesucht und geschaffen,
z. B. in den kriegerischen Organisationen, in den Gilden und Zünften
des Mittelalters und in den mannigfachen Vereins- und Korporations-
bildungen und den Berufsverbänden der Neuzeit.
Wie sich die Kulturentwickelung im allgemeinen gestaltet hat,
welche Fortschritte auf den verschiedenen Lebensgebieten im Ver-
laufe der Jahrhunderte gemacht worden sind, das werden wir in
den nächsten Paragraphen sehen.
Die Kultur als Produkt des Gemeinschaftslebens und als
Gemeinbesitz.
§
Wo immer Kultur sich findet, da findet sich auch Gemein-
schaft; nirgends ist uns in der Erfahrung Kultur ohne Gemein-
schaft gegeben. Wir werden also mit Recht schliefsen dürfen,
dafs zwischen Kultur und Gemeinschaft nicht blofs ein
zufälliger, äufserer Zusammenhang sondern eine innere,
kausale Beziehung besteht. Ja, man mufs geradezu sagen, dafs
Kultur ohne Gemeinschaftsleben überhaupt gar nicht
möglich und denkbar ist; dafs alle intellektuelle und gemüt-
liche Entwickelung, dafs Sitte, Recht, Moral, Religion, kurz dafs
aller Kulturfortschritt auf dem Gemeinschaftsleben beruht. Den
Beweis für diese Behauptung sollen die folgenden Ausführungen
erbringen.