Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
schwister untereinander. Jedoch war es noch nicht jenes reine Gefühl,
das später und das noch heutzutage eine der wichtigsten Grund-
lagen unserer ganzen Kultur ausmacht: es blieb, wenn die Kinder
heranwuchsen und mannbar wurden, nicht frei von geschlechtlichem
Beigeschmack, ja ging oft genug völlig unter in dem Gefühle
der Geschlechtsliebe. Allmählich wird es dann immer lauterer;
in der Blutsverwandtschaftsfamilie trägt das Gefühl der reinen
Sympathie den endgiltigen Sieg davon über das Gefühl der Ge-
schlechtsliebe zwischen Mutter und Söhnen und in der Punalua-
familie über das zwischen Brüdern und Schwestern. Hier ent-
wickeln sich im Rahmen der uterinen Gentilverfassung alle Tugenden
der Hingabe aus blolser Sympathie, der Opferbereitschaft, der hoch-
herzigen Treue, des brüderlichen Sinnes, der da alle für einen
und einen für alle stehen läfst und als ein äufserst starkes Prinzip
der Zucht und der Ordnung und der erfolgreichsten Kraftzusammen-
fassung erscheint, und der sich auch den Frauen gegenüber in
glänzendster Weise bethätigte. Den Frauen fehlte ja der Rück-
halt eines Gatten; die Männer, die Väter ihrer Kinder, lebten ja
nicht mit ihnen zusammen, sondern durften sie nur bisweilen be-
suchen, standen also mehr im Liebhaberverhältnisse zu ihnen.
Daher trat, wenn nötig, der Bruder der Frau für sie ein und ge-
währte ihr allen nur möglichen Schutz und Schirm, ihr und auch
ihren Kindern, seinen Neffen und Nichten: dies ist die natürliche
Ursache, weshalb der Mutterbruder, der „avunculus", bei so vielen
Stammen der älteren Zeit eine so hervorragende Rolle spielt. Und
noch eins: auch das sexuelle Liebesgefühl erfuhr eine Verfeinerung
und Veredelung durch die feste Beherrschung des sinnlichen Trieb-
lebens, welche die Folge des strengen Verbotes war, irgendwelche
Geschlechtsbeziehungen innerhalb der Gens zu unterhalten: die
härtesten Strafen standen darauf, häufig sogar die Todesstrafe. Und
auch sonst war der Geschlechtsverkehr noch durch die Beobachtung
der mannigfachsten Zeremonien und Gebräuche eingeengt. Dazu
kommt, dafs sich bei der den Frauen gewährten gröfseren Bewegungs-
freiheit und bei der geachteten Stellung, die sie einnahmen, alle
Tugenden des weiblichen Gemütes voll und schön entfalten konnten,
die schwesterliche Anhänglichkeit und Zärtlichkeit, die mütterliche
Liebe, der Heroismus der Selbstaufopferung, der kluge wirtschaft-
liche Sinn, der doch auf der Grundlage des Mitgefühls ruht eben
so wie das sichere Erfassen des der Gesamtheit wahrhaft Zuträg-
lichen und Nützlichen. Angesichts alles dessen kann es uns
nicht überraschen, wenn auf der Stufe der Paarungsehe das Ver-