Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
aber doch zum mindesten nicht die Einzelbeseelungen; sicherlich
ist es in einem gewissen Sinne wohl berechtigt, von den Zellseelen
zu sprechen: wo immer Lebendiges sich findet, da ist auch bis
zu einem gewissen Grade Psychisches vorhanden. Ich habe schon
im ersten Teile darauf hingewiesen, dals das Stoffliche mit den
physischen und den psychischen Kräften im innigsten Zusammen-
hange steht, ja eine untrennbare Einheit mit ihnen bildet, sodafs
überhaupt die ganze Welt als beseelt, geradezu als beseeltes Wesen
aufzufassen ist. Nur vermögen wir die Beseelung nicht immer
wahrzunehmen, da sie der sinnHchen Erfahrung nicht zugänglich
ist. Wir werden ihrer bei uns selbst inne auf dem Wege der
Selbstbeobachtung und setzen sie nach Analogie, wo wir auf den
unsrigen ähnliche Lebensäufserungen stolsen: also bei den anderen
Menschen und den Tieren; überall sonst erscheint uns die Natur
seelenlos, einfach blots weil die Analogie nicht soweit trägt. Somit
kann in der That die Gesellschaft mit einem Organismus wie dem
des Menschen in Parallele gestellt werden; nur darf man die
Parallelisierung nicht übertreiben und in jeder kleinsten Einzelheit
Vergleichspunkte entdecken wollen.
Habe ich bisher nur in allgemeinen Zügen den mit der Ent-
wickelung der sozialen Lebenskreise eingetretenen geistigen Fort-
schritt der Menschheit hervorgehoben, so möchte ich jetzt noch
auf einige Besonderheiten aufmerksam machen. Dabei müssen wir
bedenken, dafs eine Wechselbeziehung zwischen sozialer
Entwickelung und geistigem Fortschritt stattfindet, so
zwar, dafs ein solcher Fortschritt einen in sozialer Hmsicht her-
vorruft, der seinerseits wieder auf das Geistige befruchtend ein-
wirkt, indem er das Denken vertieft und die Erfindungsgabe
schärft, um die Lebenshaltung in jeder Hinsicht der neuen Ent-
wickelungsstufe gemäfs zu gestalten, und das Fühlen veredelt:
damit gerade wollen wir uns hier noch etwas eingehender be-
schäftigen. Man kann wohl mit Recht sagen, dals die Urzeit des
Menschengeschlechtes für den Menschen die grofse Schule des
sympathischen Fühlens und Verhaltens war, in der sich
moralische und soziale Eigenschaften ausbildeten, welche nie
wieder verloren gehen können, sondern ein Schatz wurden, welcher
für alle Zukunft zum festen Besitzstande menschlichen Wesens zu
gehören bestimmt ist. Ein starkes allgemeines Sympathiegefühl
mufste in der Horde entstehen infolge der Blutsverwandtschaft
aller mit allen; im besonderen aber mufste Sympathie sich heraus-
bilden in dem Verhältnisse der Kinder zur Mutter und der Ge-