Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
heit besonderer Greschicklichkeit und Neigung eingetreten sein:
die Verwendung der Frauen zu diplomatischen Sendungen, die
uns bei Naturvölkern begegnete, spricht dafür. Später wurden
dann Geschicklichkeit und Neigung allein mafsgebend.
Dals sich ein aufserordentlich energisches Zusammen-
gehörigkeits-Gefühl, ein äufserst starkes Solidaritäts-
Bewufstsein bei einer Entwickelung wie der gekennzeichneten
herausbilden mufste, ist selbstverständlich: ein Gemeingeist ent-
stand, wie er kräftiger und mächtiger sich nicht denken
läfst. Aber auch dieser Gemeingeist entwickelte und verfeinerte
sich; trat er zunächst mehr als blofses Herdengefühl auf,
so nachmals als familienartiges Zusammenhangs-Gefühl,
endlich als Geschlechts- und als Stammes-Hewufstsein,
aber noch immer mit einem gewissen familienartig-gefühlsmäfsigen
Beigeschmack, wie auch schon das Herdengefühl der ältesten
Epochen eine familienartige Färbung ganz unzweifelhaft hatte.
Diese, wenn ich so sagen darf, familiäre Nüancierung des
Gemeingeistes ist für die ganze Urzeit des Menschengeschlechtes
charakteristisch; sie haftet auch noch der späteren geschichtlichen
Entwickelung an, ja wir können ihre Spur bis in die neueste Zeit
hinein verfolgen. Ohnstreitig wird sie auch stets in einem gewissen
Sinne und innerhalb bestimmter Grenzen ihre Geltung und zwar mit
vollem Rechte behalten; denn die Natur fesselt uns an die gröfsere
Gemeinschaft, an Volk und Gesellschaft in erster Linie durch die
wohlwollenden Neigungen, die wir unseren Angehörigen gegenüber
hegen: diese sind das Bindeglied zwischen dem Einzelnen und der
Volksgesamtheit, der Gesamtheit der Volksgenossen, wie das Volk
weiterhin wieder dasjenige zwischen dem Einzelnen und der Kultur-
gesellschaft und endlich der ganzen Menschheit ist. Mit der zunehmen-
den Verengerung der Familie wird selbstverständlich das Gemein-
gefühl ein immer individualisierteres, wie es mit fortschreitender Ent-
wickelung ein immer klareres und sichereres wird: ist es anfänglich
ein blofs dumpfes und instinktähnliches, so erscheint es bei hoher
Kultur als voll bewufstes; ist es ursprünglich nur wenig differen-
ziert, um so weniger, je weiter der Umfang der Familie sich er-
streckt, je mehr Familie und Gesamtheit sich deckende Begriffe
sind, so tritt es in um so mannigfacheren Schattierungen und in um
so vielfaltigeren Variationen auf, je mehr die Famüie konstitutives
Element der Gemeinschaft neben vielen anderen wird, je mehr
also die Familie zur Einzelfamilie sich fortentwickelt. Überhaupt
ist zu sagen, dafs im Fortgange dieser Entwickelung von der
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