Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
haft sein, dafs das Individualleben dui'cliaus sozial bedingt ist in
jeder Hinsicht, und dafs es nie ein anderes denn ein sozial-bedingtes
Individualleben in der Menschheit gegeben hat. Mögen die ersten
Affenmenschenhorden auch immerhin durch den Aneinanderschlufs
Einzelner entstanden sein und somit blofse Konglomerate dar-
gestellt haben; die Nachkommen eines solchen Trupps waren ein
organisches Gebilde, eine Gemeinschaft, beherrscht von einem
Gesamtgeiste: aus der intimen wechselseitigen Durch-
dringung der vielen Einzelnen ist ein Einheitliches ent-
standen, ein wahrhaft sozialer Verband, ein Gesellschafts-
körper. Ist es doch überhaupt ein biologisches Grundgesetz, dals
das Einzelne nie und nirgends vereinzelt bleibt und gar nicht ver-
einzelt bleiben kann; dafs das Lebendige zu anderem Leben-
digen nach immanenter Gesetzmäfsigkeit, infolge dem
Lebendigen einwohnender Attraktionsfähigkeit, in Be-
ziehung tritt, mit ihm sich vereinigt und schliefslich
zu einem neuen Dritten verschmilzt. So sehen wir eine
Reihe von Zellen zusammenschiefsen und als schwimmende Kugel
zunächst blofs eine lockere, der ursprünglichen Truppe von Affen-
menschen vergleichbare Zellengruppe bilden. Aber allmählich ent-
steht aus solchem, nur äufserlich aneinander gefügten Klumpen
ein einheitlicher Organismus: aus den vielen einzelnen Zellen-
Tierchen ist ein Tier mit Mund und Haut und Darm geworden,
das zwar noch immer aus vielen Zellen besteht, aber doch eine
Einheit ist. Natürlich ist die Analogie zwischen diesem Vorgange
und dem der Gesellschaftsbildung beim Menschen nur unvoll-
kommen. Aus dem Zellenklumpen bildet sich nach und nach ein
Zellenorganismus durch blolses aneinander Festklammern der Zellen,
indem die verarbeiteten Nährsäfte von Zelle zu Zelle überfliefsen,
von einer gerade fressenden und verdauenden in die umgebenden,
nicht fressenden und sich deshalb lebhafter bewegenden. So bahnt
sich langsam eine natürliche Arbeitsteilung an: eine Zelle oder
mehrere Zellen fressen und verdauen für die anderen mit, während
diese das -Vorwärtsbewegen besorgen und damit stets zu neuen
Nahrungsquellen hinführen. Mit der Zeit übernehmen dann ge-
wisse Zellen allein das Fressen, andere das Verdauen, dritte das
Bewegen; und mit dieser Übernahme fester und dauernder Funk-
tionen geht den betreffenden Zellen die Fähigkeit zur Ausübung
anderer, die sie früher auch besorgen konnten und müfsten, ver-
loren: sie alle im Verein bilden nun einen auf ganz bestimmter
und detaillierter Arbeitsteilung beruhenden Verband, in welchem