Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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2 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
Dadurcli ist jedoch das Verhältnis, welches zwischen Erzieher
und Zögling besteht, noch nicht hinreichend präzisiert. Es bleibt
so nämlich für die Auffassung Raum, dafs dieses Verhältnis ein
beiderseits freiwilliges sei. Das ist ja aber durchaus nicht der
Fall. Das Kind will von Erziehung nichts wissen. Das Kind ist
froh, wenn man es sich selbst überläfst. Es bäumt sich gegen
erzieherische Mafsnahmen oft genug in der energischsten Weise
auf. Dem Naturmenschen gleich liebt es die Freiheit und Un-
gebundenheit und nimmt jede Gelegenheit wahr, um dem Zwange
zu entwischen. Für das Kind, den Zögling ist also das Verhältnis
zu dem Erzieher ein zwangsmäfsiges. Dies Charakteristikum darf
nicht übersehen werden; dadurch unterscheidet sich das Verhältnis
zwischen Erzieher und Zögling sehr wesentlich von anderen
Personal-Verhältnissen. Bei diesen bildet die Grundlage zumeist
ein freier Vertrag, und als Ziel haben die Kontrahenten ihre
beiderseitige Interessen-Förderung im Auge. Bei der Erziehung
liegt die Sache ganz anders. Hier handelt es sich nicht um ein
freies Vertrags-Verhältnis, sondern um ein erzwungenes. Der eine
Kontrahent, der Zögling, mufs sich das Verhältnis einfach ge-
fallen lassen, was nur möglich ist, weil er der in jeder Beziehung
schwächere Teil ist. Für diesen Zwang jedoch wird er dadurch
entschädigt, dafs der Erzieher nur des Zöglings, nicht sein eigenes
Interesse verfolgt. Also ein ganz eigentümliches Verhältnis, ein
Verhältnis, das einzugehen derjenige gezwungen werden mufs, der
daraus allen nur möglichen Vorteil zieht. Doch es giebt aller-
dings noch jemanden, dem daraus Nutzen erwächst und zwar ein
solcher, der den des Erzogenen erst wahrhaft als Nutzen für ihn
erscheinen läfst: das ist die Gesellschaft. Darum schützt und schirmt
dieselbe auch dieses eigenartige Verhältnis. Ja, der Vorteil der Gesell-
schaft kommt bei der Erziehung in erster Linie, streng genommen
überhaupt allein in Betracht. Wenn der Erzieher den Zögling zu
einem tüchtigen Menschen erzieht, so erweist er damit der Gesamt-
heit einen Dienst. Das Interesse des Menschen an seiner eigenen
Tüchtigkeit ist blofs und kann blofs ein sekundäres sein. Er hat ein
solches Interesse nur in der Gemeinschaft, als Glied derselben,
indem er sich mit den anderen Gliedern, indem er seine Tüchtig-
keit und seine Leistungen mit denen der anderen vergleicht. Fällt
der Vergleich zu seinen Ungunsten aus, so fühlt er sich unbe-
friedigt und unglücklich, bei der gegenteiligen Erfahrung befriedigt
und glücklich. Insofern hat allerdings der Erzieher bei seinem Thun
des Zöglings Interesse und Wohl im Auge, aber doch einzig