Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
selbe, und es traten so neben die ursprüngliche Muttergens ver-
schiedene Tochtergentes, die aber alle zusammen noch eine ein-
heitliche Gruppe bildeten, eine Phratrie, an deren Spitze der
Phratriarchos stand, und die nach de Coulanges auch „Ver-
sammlungen und bindende Beschlüsse, eine Gerichtsbarkeit und
Verwaltung" hatte. Aus mehreren solchen Phratrien beteht der
Stamm, und mehrere verwandte, aus dem nämlichen Urstamme
durch Abzweigung im Laufe der Zeit hervorgegangene Stämme,
in Attika z. B. vier, thun sich dann wieder zu einem Bunde zu-
sammen, aus welchem eine Völkerschaft hervorgeht, kurz: ein Volk
oder besser zunächst blofs ein Völkchen mit Volksversammlung
{dyoQä), Rat (ßovÄi]) und Heerführer (ßaöiÄevs), um an alte
griechische Verhältnisse zu erinnern, weil wir diese Dinge an ihnen
am besten studieren können. Die Volksversammlung tritt zu-
sammen zur Entscheidung wichtiger Angelegenheiten auf Berufung
des Rates, der die stehende Behörde repräsentiert und anfänglich
aus den Gentil-Vorstehern sich zusammensetzte, aber später, als
deren Zahl zu grofs geworden war, aus den „Vornehmsten" be-
stand, d. h. aus den angesehensten, mächtigsten und reichsten
Familienhäuptern mit Durchbrechung der Gentilverfassung, die
ohnehin zu eng zu werden begann. Aus deren Mitte ging eben-
falls der Heerführer hervor, dem übrigens auch im Frieden gewisse
richterliche und priesterliche Amtsbefugnisse zustanden. Dieser
Basileus war ein Wahlkönig; jedoch mag das Amt vom Vater
auf den Sohn oder einen der Söhne übergegangen sein, was frei-
lich nichts anderes bedeutete, als dafs die Söhne die Wahrschein-
lichkeit der Volks wähl für sich hatten: rechtskräftige Erbfolge
ohne Volkswahl oder doch ohne Bestätigung durch Rat und
Volksversammlung bestand wohl ursprünglich nirgends. Auch
besafs dieser König keinerlei Regierungsgewalt. — Ganz ana-
loge Verhältnisse finden wir bei den alten Deutschen und bei
den Römern vor, bei welch letzteren drei Stämme, ein latinischer,
ein sabellischer und ein nicht näher bestimmbarer, das älteste
römische Volk ausmachten, jeder aus 100 Gentes bestehend,
von denen je 10 eine Phratrie oder, wie es hier heifst,
eine Curie bildeten; die Volksversammlung wird repräsen-
tiert durch die comitia curiata, der Rat durch den Senat der
300, aus jeder Gens ein Senator; der König, rex, ist auch
hier Oberpriester, Oberrichter und Oberfeldherr. Ebenso gab es
nach Tacitus bei den Germanen in einem, hier noch sehr oft aus
einem einzigen Stamme bestehenden Völkchen, einen geringere