Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
uterinen Gentilverfassung waren, eine Nachbildung, zu der wohl
auch das Bedürfnis, einen kräftigeren Rückhalt zu haben, als
die Familie, selbst die grofse patriarchalische Familie zu gewähr-
leisten vermochte, die Veranlassung war; nur dafs jetzt die ge-
meinsame väterliche Abstammung das leitende Einteilungsprinzip
liefern mufste: ein solch gemeinsamer Stammvater beruhte jedoch
naturgemäfs nicht so sehr auf Wirklichkeit, als vielmehr auf,
wenngleich unbewufster Erfindung, auf vager Tradition, vielleicht
bisweilen auch auf der Wahrheit sehr nahekommender Vermutung.
In dem Umstände endlich, dafs mit dem Erstarken der patriarcha-
lischen FamiUe die paternalen Geschlechtsverbände stetig an Ein-
flufs verloren und zuletzt ganz verschwanden, kann man mit Recht,
nach Schmollers Vorgang, einen neuen Beweis für die Richtigkeit
obiger Annahme finden, dafs die vaterrechtlich basierte Gentil-
verfassung nur eine Nachbildung zuvor vorhanden gewesener
mutterrechtlich fundierter gewesen sein kann. Sie war für die Neu-
organisierung der Gesellschaft ein Hilfsmittel, dessen man sich zu-
nächst bediente, weil es eben nahelag, alt-überliefert war und,
da es so viele Generationen hindurch dem Stamme Stütze und
Halt verliehen hatte, in hohem Ansehen stand.
Die neuen Gentes glichen in vielen Beziehungen, fast in
ihrer ganzen Struktur, den alten. Sie wurden zusammengehalten
durch gemeinsame religiöse Festlichkeiten und Feierlichkeiten, ge-
meinsamen Begräbnisplatz, gegenseitiges Beerbungsrecht und
gegenseitige Verbindlichkeit zu Schutz und Unterstützung bei
Vergewaltigungen: in Verbindung damit stand die Verpflichtung
der Gentilgenossen zur Blutrache für an einem von ihnen be-
gangenen Totschlag, an deren Stelle mehr und mehr jedoch die
Geldbufse, das Wergeid als Milderungsform der ursprünglich wohl
allgemein üblichen Blutrache trat. Wie früher war auch jetzt
die Aufnahme neuer Gentilgenossen durch Adoption möglich, und
wie früher war im Prinzip auch jetzt die Heirat in der Gens
verboten; jedoch wurden bei Erbinnen, um deren Vermögen nicht
in eine andere Gens fallen zu lassen, Ausnahmen gestattet, ja
teilweise geradezu geboten. Der Unterschied gegen einst bestand
vor allem darin, dafs an Stelle des alten Mutterrechtes nunmehr
die Abstammung nach Vaterrecht galt, und dafs die Frau und die
Kinder mit dem Gatten und Vater zusammenlebten. An der
Spitze der Gens stand ein Gentil-Vorsteher, ein Archon, dessen
Amt jedoch nur in seltenen Fällen in einer bestimmten Familie
erblich war. Bei starkem Anwachsen der Gens spaltete sich die-