Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
Schäften sich wieder auflösten und nur eine Reihe von gesonderten
Einzelfamilien, im patriarchalischen Sinne, übrigblieben, wie wir
dies am Leitfaden der Genesis deutlich wahrnehmen konnten. Diese
patriarchalischen, aufserordentlich stark zentralisierten Familien,
aus denen der Stamm nunmehr bestand, bildeten die konstitu-
tiven Elemente, aus denen jetzt allmählich der Staat erwuchs.
Aber zwischen diese kleineren konstitutiven Elemente von jüngerer
agnatischer Struktur und den Staat schieben sich anfangs noch
die gröfseren konstitutiven Elemente der Gentes ein, welche aus
den älteren Zeiten des Mutterrechtes stammen und nur umge-
wandelt worden sind in vaterrechtlich basierte. Also: die patri-
archalischen Familien, die Auflösungs-Produkte der alten Gentil-
verfassung, werden nunmehr die Grundlagen neuer Gentes.
Diese neue Gentil - Verfassung finden wir bei den Griechen
wie bei den Germanen am Beginne ihrer geschichtlichen Lauf-
bahn vor; wir begegnen ihr bei den Römern und bei den Kelten,
bei denen sie in Schottland sich bis ins 18. Jahrhundert hinein
erhalten hat, wir treffen sie noch heute bei Kalmücken, Tscher-
kessen und Samojeden, nach Mc Lennan bei den Waralis, den
Magars und den Munnipuris in Indien, nach Kovalevsky bei den
Pschaven, Schevsuren, Svaneten und anderen kaukasischen Stämmen
an. Hier ist nun der Ort, wo ich zunächst zeigen will, dafs diese
Gentilverfassung nichts anderes sein kann als das Spiegelbild
der alten uterinen, dals somit deren Vorexistenz als unbedingt
sicher angenommen werden mufs. Mit Schmoll er halte ich es für
unmöglich, dafs Stämme mit patriarchalischer Familienverfassung
und mit Vaterrecht selbständig zur Gentilverfassung kommen
konnten; denn die Besitz- und Standesunterschiede, die sich jetzt
allmählich herausbildeten, wie auch die zunehmenden Sonderinter-
essen der Familien mufsten doch ein Hindernis sein, dafs sich
grölsere Gruppen von 50—500 Personen, von 10—100 erwachsenen
Männern aus verschiedenen Familien zu Gentilverbänden zusammen-
thaten. Auch die Vorstellung eines gemeinsamen Stammvaters
konnte einen derartigen Kitt nicht herstellen, „umsoweniger, je
mehr die Betreffenden Söhne von Müttern ohne nähere Bluts-
verwandtschaft waren", wie Schmoller treffend hervorhebt. Hin-
gegen liegt wahrlich die Annahme als wirklich befriedigende und
ausreichende Erklärungs-Ursache nahe, dafs die Gentilverbände,
welche sich nach der Konstituierung der patriarchalischen Familie
bildeten, nur eine Nachbildung der so lange bestandenen, alt-
gewohnten und liebgewordenen Einrichtung, eben der ehemaligen