Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
Lebensfürsorge wohl den Muttergruppen innerhalb der Gens über-
lassen blieb. Wie Grund und Boden und Jagdgründe Gentil-Besitz
waren, so natürlich auch die durch Feldbau und Jagd gewonnenen
Vorräte, die in grol'sen Gentil-Vorratshäusern untergebracht
und an die Haushaltungen verteilt wurden. Hier und da stofsen
wir sogar auf gemeinsame Gentil-Wohnhäuser, sowohl solche
für die ganze Gens, welche mehrere hundert Personen aufnehmen
konnten, als auch solche kleineren Stils, die dann meist in nach-
barlicher Nähe zu zwei, drei oder vier sich erhoben. Die Haus-
haltungen waren anfänglich Gruppen-Haushaltungen, Haus-
genossenschaften, bestehend aus mehreren Familien- oder Mutter-
gruppen; später mag dann eine weitgehende Differenzierung ein-
getreten sein, so dafs schliefslich eine Mutter mit ihren Kindern
einen Sonderhaushalt führte, dem ihr Bruder oder ihre Brüder
mehr oder weniger lose angegliedert waren. Jenes war der Fall, als
die Paarungsehe sich aus der Gruppenehe herausentwickelte.
Lebten früher die Männer keinesfalls mit ihren Frauen und Kin-
dern zusammen, sondern waren sie nur auf zeitweilige Besuche
angewiesen; so dürften jetzt auch Ausnahmen vorgekommen sein,
obschon es noch immer die Regel sein mochte, dafs die Ehe-
gatten getrennt lebten, jeder in seiner Gens. Jedoch können
wir uns wohl denken, dafs nunmehr die alte Regel zur Ausnahme
und die ehemalige Ausnahme zur Regel wurde, wenn wir er-
wägen, dafs in dieser Zeit die Raub- und die Kaufehe aufkamen:
die geraubte oder gekaufte, aus einem anderen Stamme, der im
ersteren Falle wohl ein feindlicher, im letzteren ein befreundeter
oder gar verbündeter war, in den eigenen verpflanzte Frau,
mulste doch notgedrungen in die Gens des betreffenden Mannes
aufgenommen werden, und das hat sehr wahrscheinlich zur Grün=
dung eines Haushaltes von Mann und Frau geführt. Auf diese
Weise ward der Anstofs zum Umstürze des Mutterrechtes und zur
Begründung der monogamischen vaterrechtlichen Familie ganz
naturgemäfs gegeben. Nimmt man den früher erwähnten und
beschriebenen Reichtums - Zuwachs und die aufserordentlich weit
fortgeschrittene Auflösung des Gemeinbesitzes und seine Überführung
in Sondereigentum hinzu, auch was, wenigstens teilweise, den Grund
und Boden betrifft, so ergiebt sich für viele Fälle geradezu die
Notwendigkeit eines Umschwunges der Verhältnisse. Ich habe
bereits vorher darauf hingewiesen, dafs nun, wo mit gröfserer
Wahrscheinlichkeit denn je die Kinder als eigene betrachtet wer-
den können, im Mann der Wunsch erwacht, diesem seinem Fleisch