Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
familie tritt eine weitergehende Differenzierung ein: mit dem Ver-
bote der Geschwisterehe sonderte sich der Stamm in eine Menge
kleiner Gentilgruppen. Der Fortschritt ist leicht erkennbar: erst
ist der Stamm eine einzige homogene Masse, dann findet
Herausbildung von Generations-, endlich Gliederung in
Gentilgruppen statt. Die Gentilgruppe beruht auf dem Prinzipe
der engsten Blutsverwandtschaft; nur unmittelbare Blutsverwandte
können eine solche bilden und zu einer solchen gehören. Was
bedingt aber solch unmittelbare Blutsverwandtschaft am ehesten
und augenfälligsten? Offenbar die Abstammung von einer Mutter,
selbst ganz abgesehen von dem Bestände der Gruppenehe. Machen
wir uns das in möglichst konkreter Weise klar. Die Frau A soll
die Stammmutter einer Gentilgruppe, kurz einer Gens werden.
Ihre Töchter bilden dann den eigentlichen Ausgangspunkt der
Gens; sie begatten sich mit den Söhnen der B, ihren Vettern, den
Söhnen der Schwester ihrer Mutter, und die Gens ist fertig: sie
besteht aus der A als Stammmutter, aus ihren Töchtern und deren
Kindern. Zu ihr gehören aber auch naturgemäfs die Söhne der A
infolge ihrer unmittelbaren Blutsverwandtschaft mit dieser und
deren Töchtern. Bezeichnen wir die Stammmutter wie bisher mit
A, ihre Töchter mit a, ihre Söhne mit a, so gehören also in die
Gens nunmehr folgende Personen: A, a.i, a2, 9:3 u. s. f., ai, a.2,
as u. s. f. und alle Kinder, Töchter und Söhne der ai, a2, as
u. s. f. Die Gentilgruppe umfafst somit der Hauptsache nach eine
Reihe unmittelbar blutsverwandter Muttergruppen, die nunmehr
wohl eine besondere Familie oder Hausgemeinde bildeten und
im Fortschritte der Entwickelung sich in immer neue spalteten.
So zerfällt der Stamm in eine Anzahl uteriner Gentes von
festestem Zusammenhang und Zusammenhalt, in eine Reihe von
Genossenschaften, in denen einer für alle und alle für einen stehen.
Geschlechtsverkehr innerhalb der Gens ist streng verpönt. Ge-
schlechtsbeziehungen waren blofs möglich von einer Gens hinüber
in eine andere.
Sicherlich bedingte die Entstehung der Gentilgruppen ein
bedeutendes Wachstum des Stammes, aus zweierlei Gründen. Ein-
mal fielen die schädlichen Folgen der immer mehr und mehr ein-
geschränkt werdenden Inzucht hinweg; zum anderen ist zu be-
denken, dafs die Bildung kleinerer Verbände eine weit energischere
Konzentration der Kräfte ermöglichte, was der Lebenshaltung im
allgemeinen durch intensivere Ausnützung der vorhandenen natür-
lichen Lebensbedingungen forderlich sein und auch jedem Einzelnen