Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 23. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. 179
nährung der Kinder mit Muttermilch in der Zeit vor der Kenntnis
und Benutzung der tierischen Milch und das strenge Verbot ge-
schlechtlichen Verkehrs, solange die Mutter das Kind nährt, dem
wir noch heute bei primitiven Stämmen begegnen, das Zusammen-
wohnen von Männern und Frauen auszuschliefsen wohl geeignet
waren. Jedoch mag dieser Umstand bei dem Fehlen strenger
Paarung eines Mannes mit einer Frau nicht allzu schwer ins Ge-
wicht fallen; denn es ist ja nicht anzunehmen, dafs stets alle vor-
handenen mannbaren Frauen gleichzeitig Mütter wurden. Die
Kinder waren jedenfalls bei der Mutter, die Töchter für immer,
die Söhne vielleicht bis zur Mannbarwerdung. So könnte man
sich etwa denken, dafs zusammenwohnten auf der einen Seite
die Grofsmütter mit ihren Töchtern und Enkeltöchtern und noch
nicht mannbaren Enkelsöhnen und auf der andern Seite die
Grofsväter mit ihren Söhnen und mannbaren Enkelsöhnen. Je-
doch läfst sich immerhin die Sache auch so denken, dafs ein-
fach Männer und Weiber generationsweise zusammen lebten. Eine
weitere Gliederung in Haushalte erscheint mir wenig wahrschein-
lich; denn es handelt sich auf diesen primitiven Stufen der Ent-
wickelung und bei der in solchen primitiven Zuständen stets
drohenden Gefahr des Nahrungsmangels naturgemäfs um nur kleine
Gruppen von vielleicht im Durchschnitt 100 Personen. Bei etwaiger
Übervölkerung griff man sicherlich zu radikalen Auskunfts-Mitteln
und Abhilfe-Mafsregeln, wie zur Aussendung eines ver sacrum und
Beseitigung der Hochbetagten und der Kranken. Beides ist als
sicher verbürgtes Vorkommnis zu betrachten. Was das letztere
betrifft, so liegen namentlich eine ganze Reihe diesbezüglicher
Berichte antiker Schriftsteller, von Herodot, Strabo u. a., vor; so
erzählt Strabo von den Derbikern in der Landschaft Margiana, dem
nördlichen Teil des heutigen Iran, dafs sie alle über 70 Jahre
alten Leute töteten, und bei Herodot finden wir die Notiz, dafs
die Massageten, ein skythisches Volk in Zentralasien, diejenigen
umbrachten, welche ,gar zu alt" wurden. Dergleichen Bräuche
beeinträchtigten die Verehrung, die dem Alter gezollt wurde, und
die hervorragende Stellung der Alten in keiner Weise; so bestand
bei manchen Stämmen die Sitte, die Köpfe der Getöteten zu ver-
golden und als Heiligtümer aufzubewahren, denen alljährlich grofse
Opfer dargebracht wurden.*)
Auf der nächsten Entwickelungsstufe, der Stufe der Punalua-
*) Man vergleiche: Bergemann, ,Die Verbreitung der Anthropo-
phagie über die Erde."
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