Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Eigenschaften die Überlegenheit einiger oder auch nur eines Ein-
zelnen bedingt haben, so dafs jenen oder diesem die Leitung des
Stammes, wie wir jetzt sagen können, im besonderen oblag. Jedoch
mögen das Ausnahmen gewesen sein; auf primitiven Stufen
beruht das Übergewicht vornehmlich und naturgemäfs
auf der Fülle der unmittelbaren Lebenserfahrungen, und
solche findet man da ja fast ausschliefslich bei den Alten. Die
Lebenshaltung mufs natürlicherweise die denkbar einfachste in
jeder Hinsicht gewesen sein; wir können mit gutem Grunde an-
nehmen, dafs eine sexuelle Arbeitsteilung stattgefunden hat nach
Art derjenigen, wie wir sie bei den Naturvölkern noch jetzt be-
obachten, und wie wir sie zuvor kennen gelernt haben: Jagd,
Krieg und öffentliche Angelegenheiten sind das Haupt-Ressort der
Männer, die Besorgung des Hauses, die Verfertigung von Schmuck
und Kleidern, vielleicht auch die von Geräten und Waffen u. a. m.
das der Weiber. In mancher Hinsicht mögen die Männer auch
daran teilgenommen haben, wie umgekehrt möglicherweise die
Frauen bisweilen an den Beschäftigungen der Männer. Ich habe
schon darauf hingewiesen, dafs bei primitiven Stämmen die Frauen
nicht selten mit in den Krieg ziehen. Desgleichen dürfte es nicht zu
gewagt erscheinen, wenn man annimmt, dafs die Frauen unter Um-
ständen zu den Ratsversammlungen der Männer hinzugezogen und
vielleicht zu diplomatischen Sendungen, bei der Abmachung von
Verträgen oder bei Friedensschlüssen, verwendet wurden. Berichtet
doch Gurr von den australischen Dieyeries, dafs die Frauen hier beim
Schliefsen von Verträgen als Gesandte dienen, und dafs „ihnen ihr
Unternehmen niemals fehlschlägt." In manchen Fällen mögen die
Frauen auch die Arzte der Urzeit gewesen sein; so fand Back-
house in Südafrika weibliche Arzte und Mrs. Bishop bei den
Kurden die Frauen allein im Besitze medizinischer Kenntnisse;
sie waren die erblichen „Hakims"*) Doch sind das wohl Aus-
nahmen: die Heilkunst als Medizinzauber hängt in früheren Kultur-
epochen aufs engste mit dem Priestertum zusammen; und dieses
lag vorzugsweise in den Händen der Männer. Ausnahmen kommen
bekanntlich vor, aber verhältnismäfsig selten.
Ob Männer und Weiber direkt zusammenwohnten, kann frag-
lich erscheinen; getrenntes Wohnen von Mann und Weib findet
man ja noch bisweilen bei Naturvölkern. Aufserdem ist, worauf
Schmoller mit Recht hinweist, zu bedenken, dafs die lange Er-
*) Man vergleiche: Mrs. Bishop, „Journeys in Persia and Kurdistan',
ferner: Bartels, „Medicin der Naturvölker' und Backhouse, „Africa".