Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
liehen Angestellten, eine Mutter hinter ihren Söhnen in der Aus-
übung der bürgerlichen Rechte zurückstehen: sie besitzt gar keine
solchen Rechte; sie ist unmündig und wird als auf gleicher Stufe
mit unmündigen Kindern stehend betrachtet, mag sie auch eine
ganze Schar von Kindern grofsgezogen haben, mag sie noch so
selbständigen, geschäftskundigen und umsichtigen Geistes sein.
Man sieht: die Entwickelung hat sich hier in eine Sackgasse
verrannt; sie hat zu himmelschreienden Ungerechtigkeiten, zu
tollen Absurditäten und schmachvollen Zuständen geführt, die un-
haltbar sind. Es gilt, die eine entrechtete Hälfte der Kultur-
menschheit in ihre Rechte wieder einzusetzen; es gilt, die Frauen
aus ihrer Hörigkeit zu befreien und damit einen weiteren Schritt
zur gänzlichen Beseitigung der Sklaverei in der Kulturwelt zu
thun. Natürlich können wir in keiner Hinsicht zu früheren
Stadien der Entwickelung zurückkehren; zudem haben wir ja ge-
sehen, dafs wohl auch in der Urzeit den Frauen nicht eigentlich
das öffentliche Leben zugänglich war, wennschon sie in der
Achtung der Männer weit höher standen als heutzutage. Die Zu-
kunft darf in dieser Beziehung nicht blofs eine Synthese der bis-
herigen geschichtlichen und der vorgeschichtlichen Zeit, sondern
sie mufs noch mehr bedeuten: der Universalismus erkennt
die beiden Hälften der Menschheit, die männliche und
die weibliche, als völlig gleichberechtigt, nicht etwa
einander gegenüber, sondern nebeneinander stehend,
Frauen und Männer als gemeinsame Arbeiter am grofsen
Werke des Kulturfortschrittes an. Demgemäfs wird die
Familie der Zukunft als gesellschaftliches Molekül wirklich streng
durchgeführte Monogamie sein und durchgehends auf der indivi-
duellen Geschlechtsliebe beruhen müssen; sie wird sich dar-
stellen als Vereinigung gleichgewerteter Einzelkräfte
der Gesamtheit, um deren Ziel fördern zu helfen, indem
die Familienträger, einander vollkommen gleichstehend,
als ihre Aufgabe die Erzeugung gesunder Kinder und
deren gemeinsame Heranbildung zu tüchtigen Menschen,
die Pflege echt sozialen Geistes und Sinnes betrachten.
Die Liebe darf hinfort nicht, wie bisher, als der ganze Inhalt des
weiblichen Lebens gelten; sondern sie kann nur als Würze des
weiblichen so gut wie des männlichen Lebens noch in Betracht
kommen. Und ebenso ist es, was damit in engem Zusammenhange
steht, thöricht, einfach zu dekretieren, dafs die Frauen blofs
Schönheit und Kraft des Körpers zu vererben hätten, während die