Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
Weise in der Ehe und im Familienleben bemerklich. Die Ehefrau
steht unter dem Mundium des Ehemannes in jeder Hinsicht: ihm
gesteht das Gesetz, so § 1354 des neuen deutschen bürgerlichen
Gesetzbuches, ausdrücklich die „Entscheidung in allen das gemein-
schaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten", selb-
ständige Verwaltung des von der Frau eingebrachten Vermögens
und die freie Verfügung über dasselbe, sofern nicht durch beson-
deren Vertrag etwas anderes festgesetzt worden ist, zu: so be-
stimmt § 1373 des oben genannten Gesetzbuches, dals der Mann
berechtigt ist, die zum eingebrachten Gute gehörenden Sachen in
Besitz zu nehmen, nach § 1546 ist er der Frau für die Verwaltung
des Gesamtgutes nicht verantwortlich, und nach § 1376 darf er
ohne Zustimmung der Frau über deren Geld und verbrauchbare
Sachen verfügen, während die Frau zur Verfügung über einge-
brachtes Gut, also über ihr Eigentum, der Einwilligung des Mannes
bedarf, wie in § 1395, incredilile est dictu, zu lesen ist. Eine
ihm angetragene Vormundschaft kann der Mann ohne weiteres
annehmen, die Frau bedarf erst der Zustimmung ihres Eheherrn
(§ 1783). Die Erziehung der Kinder regelt der Vater nach seinem
Gefallen und Gutdünken; ihm liegt auch einzig deren Vertretung
ob: kurz, was das Gesetz die elterliche Gewalt nennt, ist in Wahr-
heit nichts anderes als väterliche Gewalt, wie deutlich aus den
§§ 1627 ff. hervorgeht. Dazu nehme man das dem Manne von
der Sitte zugebilligte Recht, aufser mit seiner Frau auch noch
mit anderen Frauen geschlechtlichen Verkehr pflegen zu dürfen,
während die Frau, welche nur den kleinsten sexuellen Fehltritt
sich zu Schulden kommen läfst, von der Gesellschaft in Acht und
Bann gethan und mitleidlos ausgestofsen wird. So bringt der
Ehegatte in Dänemark seine Geliebte unter dem Titel einer
Cousine sogar in sein Haus und an seinen Tisch mit, wenn er
den Sonntag fern von der Stadt in seinem Landhaus im Schofse
der Famihe verbringt, wie mir ein Kenner der Verhältnisse er-
zählt hat. Und der Code Napoleon gewährleistet dem Ehe-
manne das Recht der ehelichen Untreue, so lange er seine Mai-
tresse nicht ins eheliche Haus einführt. Welch ungeheure Ent-
würdigung der Frau, der Mutter, des Familienlebens liegt in dem
allen! Ferner bedenke man, dafs die Frau noch immer vom öffent-
lichen Leben gänzlich ausgeschlossen ist bei der Mehrzahl der
Kulturvölker; dafs ihr noch nicht einmal die Wahl eines Berufes
völlig freisteht. Eine alleinstehende und selbständige Frau, etwa
eine Gutsbesitzerin oder Ladeninhaberin, mufs hinter ihren männ-