Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
schlechter unter fast gleichen Bedingungen lebten. Am wider-
lichsten berührt der Gegensatz zwischen dem süfslichen, mystisch-
symbolistischen Treiben der Minnesänger, welche die Frauen als
das inspirierende und zivilisierende Element, als etwas ganz be-
sonders Hohes und Zartes, Schönes und Feines preisen, und dem
Gebaren der Männerwelt in der Wirklichkeit, dem geltenden
Recht und der herrschenden Sitte, wo überall die christlich-
asketische Auffassung des Weibes als Symbols des sinnlichen
Lebenselementes, als Hemmnisses des Fortschrittes offen zu Tage
tritt: das Weib erscheint in dieser Auffassung als etwas durchaus
Inferiores und sogar als etwas Unreines, mit Tertullian geradezu
als ,janua diaboli", und wird demgemäfs behandelt, trotz aller
Verherrlichung und Verhimmelung von Seiten der Dichter.
Selbst im galanten Frankreich unterstanden Ehefrauen und Töchter
der unumschränkten Gewalt der Männer, der Gatten und Väter:
so ist in den „Ordonnances des rois de France" den Gatten und
Vätern ausdrücklich das Recht zugesichert, ihre Frauen und ihre
selbst schon verheirateten Töchter zu schlagen. Zu Bordeaux er-
streckte sich dieses Recht noch im 14. Jahrhundert auf die Ent-
scheidung über Leben und Tod der Frauen. Auch mufste die
Ehefrau ihrem Gatten den Steigbügel halten, wenn er zu Pferde
steigen wollte; bei Tische mufste sie mit ihren Mägden den
Hausherrn und seine Gäste bedienen u. a. m. Ferner denke man an
die massenhaften Hexen-Prozesse, diesen verabscheuungswürdigsten,
entsetzlichsten und ekelhaftesten Greuel, der aus dem christlich-
asketischen Geiste des Mittelalters entsprungen ist und eine so
schmachvolle und schändliche Erniedrigung des Weibes bedeutet,
wie sonst nichts anderes auf der Welt.
Auch in der Neuzeit bleibt die Stellung des Weibes im
ganzen unverändert dieselbe, welche sie vordem, im Mittelalter
und Altertum, gewesen: die emanzipatorischen Bestrebungen der
Renaissance sind vereinzelt und vorübergehend. Die Reformatoren
beseitigten zwar das auf der Ehe lastende Odium, und aufserdem
ward jetzt allmählich die individuelle Geschlechtsliebe, im Alter-
tume kaum bekannt und im Mittelalter nur in Ansätzen vorhanden,
in thesi wenigstens als die einzig mögliche Basis menschenwürdiger
Ehe anerkannt; aber die Praxis entsprach und entspricht dem doch
noch immer sehr wenig, und jedenfalls ist die Frau bis auf unsere
Tage in der alten Hörigkeit verblieben, in die sie beim Beginn
der Geschichte gestofsen wurde. Diese Hörigkeit der Frau macht
sich am auffälligsten und in der ungerechtesten, ja brutalsten