Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
sehen Hunden, bei den kleinasiatischen Griechen von Eunuchen
bewacht, ohne höhere geistige Anregung, mit ganz mechanischen
Arbeiten beschäftigt und auf die Gesellschaft von Sklavinnen an-
gewiesen. Allerdings finden wir bei den Griechen auch einzelne
geistig hochstehende, fein gebildete und einflufsreiche Frauen;
aber um das zu sein, müfsten die betreflenden erst Hetären wer-
den. Was aber der Ehe der Griechen einen ganz besonders
charakteristischen Stempel aufprägte und ganz besonders dazu
beitrug, die Ehefrau zu erniedrigen, das ist das Fehlen der indi-
viduellen Geschlechtsliebe: die Ehe war eine rein konventionelle,
eine blofse Geschäftssache, eine lästige Pflicht, die der Mann den
eigenen Vorfahren, dem Staate und den Göttern gegenüber zu er-
füllen hatte; in Athen erzwang das Gesetz ja geradezu die Ehe
und aufserdem auch noch die Leistung eines Minimums der so-
genannten ehelichen Pflichten von Seiten des Mannes.
In Rom lagen wohl die Dinge etwas günstiger für das Weib;
aber irgendwelche bedeutenden prinzipiellen Unterschiede in der
Stellung der Frau den griechischen Verhältnissen gegenüber be-
standen nicht. Und man kann auch kaum sagen, dafs das im
weiteren Verlaufe der Zivilisation bis auf unsere Tage jemals der
Fall gewesen ist. In der Kultur des Mittelalters, in welcher neben
den aus dem Altertume herübergenommenen das germanische Ele-
ment eine so grofse und wichtige Rolle spielt, wirkt dasselbe in
gewisser Hinsicht auf die Stellung der Frau modifizierend ein:
stand das Weib bei den alten Deutschen doch in einer ganz an-
deren Achtung als bei den antiken Kulturvölkern. So sehen wir,
dafs im Mittelalter den Frauen oder, sagen wir lieber, den Damen
eine gewisse Freiheit der Initiative in Liebesangelegenheiten vor
der Ehe gestattet wird; sobald aber die Dame heiratet, gerät sie
ganz und gar in die Gewalt des Mannes, der sie nicht selten mit
der äufsersten Brutalität und Verachtung behandelt. Nirgends
finden wir in der Ehe, auch aufserhalb ihrer nicht, ein kamerad-
schaftliches Verhältnis von Mann und Weib, wie es sich bei ge-
meinsamer Arbeit entwickelt und auf primitiven Gesittungsstufen
überall in die Erscheinung tritt: das Weib ist gerade blofs zum
Zeitvertreib und zur Verehrung vor der Ehe und, ganz wie im
Altertume, als oberste Hausmagd nach der Ehe gut genug. Der
Mann hat die ganze industrielle Bethätigungs-Sphäre des Weibes
okkupiert, und nirgends nehmen wir auch nur die Spur einer
wirklich ernsthaften Konkurrenz zwischen Männer- und Weiber-
arbeit wahr, selbst in den Klöstern nicht, wo doch beide Ge-