Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
arbeit liegt den Frauen ob. Die körperliche Kraft und Gewandt-
heit der Weiber bei all diesen Stämmen wird von sämtlichen Be-
richterstattern rühmend hervorgehoben.
Dafs durch das alles keine eigentliche inferiore Stellung der
Frau bei den primitiven V^ölkern bedingt ist, das bezeugt Horatio
Haie, der geradezu sagt, dafs die Frau eines Landeigentümers
in Samoa oder eine Hirtenfrau bei den Navajos, „was ihre
Stellung in der Familie und überhaupt im ganzen Stamme an-
betrifft", keinen Grund hat, eine deutsche Bauernfrau zu beneiden.
Ebenso hebt Im Thum besonders hervor, dafs die Weiber bei
den Indianern Guyanas in keiner Weise von ihren Männern hart
oder grausam behandelt werden; dasselbe berichtet Johnstone
von den Frauen unter den Andombies am Congo, die schwere
Arbeiten verrichten und grofse Lasten schleppen müssen, jedoch
„ein ganz glückliches Leben" führen. Von den Frauen der Hai-
das auf den Königin-Charlotte-Inseln sagt Rev. C. Harrison
ebenfalls ganz direkt: ,Es ist ein grofser Irrtum, wenn man glaubt,
dafs sie als Sklaven behandelt werden." Und Mason bemerkt
einmal mit Recht ganz all gemeinhin: „Wenn die eine Hälfte der
menschlichen Spezies, nämlich die weibliche, mütterliche Hälfte,
neben den ihr von der Natur auferlegten Lasten noch böswilliger
Quälerei und Verfolgung von Seiten der anderen, stärkeren Hälfte
ausgesetzt gewesen wäre, so hätte sich die Menschheit nicht halten
können", jedenfalls nicht, mufs man hinzufügen, da zu den Lasten
der Schwanger- und Mutterschaft noch die auf der sexuellen
Arbeitsteilung beruhenden schweren und mühevollen Arbeiten und
Verrichtungen der Hauswirtschaft und Industrie auf den primitiven
Stufen der Entwickelung hinzukamen. Solche Verfolgungen und
Quälereien begannen erst, nachdem die Männer einen grofsen Teil
des urprünglich weiblichen Thätigkeitsgebietes, nämlich die in-
dustrielle Sphäre okkupiert hatten. Jetzt begann die Unter-
jochung des weiblichen Geschlechtes und das Herunterdrücken
der Frau zur Inferiorität. Diesen Zustand der Unterdrückung
der einen Hälfte des menschlichen Geschlechtes finden wir in
deutlicher Ausprägung im Altertume bei den Griechen in der
klassischen Zeit vor. Hier erscheint das Weib in der tiefsten und
schmachvollsten Erniedrigung; als Sklavin wird sie einfach ge-
zwungen, der Sinnenlust des Mannes zu dienen, als Ehefrau ist
sie oberste Hausmagd und Erbengebärerin: nach Euripides ein-
fach ein oiKovQiiua, ein Ding zur Hausbesorgung. Sie lebt im
Frauengemach eingeschlossen und nach Aristophanes von molossi-