Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
sich vollzogen hat; sie zeigt aufs deutlichste, dafs die Gesellschaft
sich jetzt auf einer ganz anderen Basis als ehedem aufbaut, eben
auf der Einzelfamilie, und dals das Weib in jeder Beziehung auf-
gehört hat, eine tonangebende Rolle zu spielen: es ist nur noch
dazu da, dem Manne Kinder zu gebären, die seinen Reichtum
erben können, und als ein Werkzeug seiner Lust, das er wegwirft,
wenn er dieselbe genossen hat.
Sicherlich haben die Frauen in der urzeitlichen Gesellschaft
keine allzu hervorragende Stellung im öffentlichen Leben ein-
genommen; vermutlich haben sie nicht eigentlich mitberaten und
mitbeschlossen in den Angelegenheiten desselben, wenigstens nicht
im grofsen und ganzen und für gewöhnlich: vereinzelte Fälle
mögen immerhin vorgekommen sein, in denen Frauen von Ein-
flufs auch auf öffentliche Geschäfte gewesen sind, wie uns das ja
sogar noch von den alten Germanen bezeugt wird, obwohl die-
selben bei ihrem Eintritt in die Geschichte doch bereits über die
Primitivität der Urzeit hinaus waren. Aber zweifellos standen
die Frauen ganz anders geachtet da, als dies später der Fall war,
nachdem das Vaterrecht Geltung erlangt hatte. Sie waren in der
patriarchalischen Zeit wohl an Arbeit entlastet, da alle schweren
Arbeiten den Sklaven zufielen; dafür waren sie jedoch in jeder
Hinsicht entrechtet und, ans Haus gefesselt, nicht viel besser
daran als die Haussklaven. In der Primitivität der früheren Zu-
stände hingegen lagen den Frauen ohnstreitig die mühseligsten
Verrichtungen ob; aber dafür standen sie eben auch in hoher
Achtung. Wir können das noch heutzutage beobachten, wenn wir
die Verhältnisse bei den sogenannten Naturvölkern, die wir frei-
lich, wie früher erwähnt, nirgends mehr rein vorfinden, ins Auge
fassen. Man hat, so Mc Lennan, Lubbock, Letourneau und
viele andere, ausgehend von den Scheinhuldigungen, welche die
Männerwelt den Frauen bei den zivilisierten Völkern darbringt,
und die allerdings bei den Naturvölkern fehlen, und angesichts der
den Frauen bei den wilden Stämmen zufallenden schweren Arbeiten,
welche bei den Kulturvölkern die Männer verrichten, lange be-
hauptet, dafs das Weib bei jenen eine „Quelle der Schwäche"
für den Stamm bilde und darum in einem Zustande der Unter-
drückung, als blofses Arbeits- und Lasttier lebe. Das ist grund-
falsch und widerspricht der thatsächlichen Erfahrung in jeder
Hinsicht. Dieselbe lehrt vielmehr, dafs unter primitiven Ver-
hältnissen die Frauen den Männern an Kraft kaum nachstehen
und sogar nicht selten sich am Kriegshandwerk derselben betei-