Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Aber wenn die Familien-, überhaupt die sozialen Verhältnisse so
waren, wie ich sie skizziert habe, und dafür spricht ja aufs
energischste das Vorhandensein der Gentilverfassung, wohin wir
auch blicken mögen, so mufs das Mutterrecht gegolten haben,
weil, wie ich immer von neuem wiederholen mufs, die Gentil-
verfassung sonst nicht verständlich ist, wofür ich später noch
den eingehenden Beweis erbringen werde. Ein wie weitgehendes
Bestimmungsrecht über die Kinder dadurch der Mutter eingeräumt
wurde, das ist freilich fraglich; man kann sich wohl denken, je-
doch halte ich es in allzuweitem Umfange nicht für wahrscheinlich
— also man kann sich wohl denken, dafs in dieser Beziehung der
mütterliche Einflufs ein beschränkter war, beschränkt durch ein
allgemein männliches, nicht etwa besonders väterliches, Bestim-
mungsrecht über alle oder je einen Teü der vorhandenen Kinder,
somit ein solches, das in den Händen der Männer des ganzen
Stammes oder der männlichen Angehörigen einer Gens, also der
männlichen Gentilverwandten, lag.
22.
Haben wir uns bisher auf dem Gebiete der historischen Re-
konstruktionen bewegt, so betreten wir mit der Konstituierung der
patriarchalischen Familie, wie wir sie am deutlichsten bei
den semitischen Stämmen beobachten können, den festen Boden
der Geschichte. Die patriarchalische Familie ist das Resultat des
Zusammenbruchs der alten, der Hauptsache und dem Prinzip nach
kommunistischen Ordnung. Jedoch bedeutet sie noch keineswegs
die völlige Uberwindung der ehemaligen Lebenshaltung; vielmehr
lälst sie überall deutlich deren Struktur erkennen, sodafs über ihre
Entstehungsgeschichte kein Zweifel herrschen kann. Nur eine
neue Einrichtung erscheint bereits streng durchgeführt, die des
Vaterrechtes; allerdings ist auch das Mutterrecht nocht nicht gänz-
lich verschwunden: ich weise hier im Vorbeigehen und in Kürze
blofs auf eine Form hin, in der es sich, sogar bis auf die Gegen-
wart, erhalten hat. Es bleibt bestehen bei den Kindern von Kebs-
weibern, von Hetären, von im neuen Sinne unehelichen Kindern;
diese, die unehelichen Kinder sind erbberechtigt blofs gegenüber
ihrer Mutter und deren Verwandten, haben verwandtschaftliche
Beziehungen nur nach mütterlicher Seite hin. Das neue deutsche
bürgerliche Gesetzbuch sagt in § 1589 ausdrücklich: „Ein un-
eheliches Kind und dessen Vater gelten nicht als verwandt," d. h.
zwischen einem solchen Kinde und seinem Vater besteht kein