Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
der des Mannes und derjenigen der Frau. Die Familie der letzteren
sei anfangs gar nicht als in verwandtschaftlichen Beziehungen zu
der des ersteren stehend betrachtet worden; man habe von den An-
gehörigen der Frau blofs als von den guten Freunden gesprochen,
„naturgemäls," wie Delbrück meint. Allerdings „naturgemäfs,'
sofern es sich dabei um das Verhältnis der Verwandten des Mannes
und derjenigen der Frau zueinander handelt, aber gar nicht
„naturgemäfs', sofern das der Verwandten der Frau zu der neuen,
mit eben dieser Frau gebildeten Familie des Mannes in Betracht
kommt: den Kindern dieser neuen Familie haben die Mutter-
brüder gerade „naturgemäfs' niemals nur als gute Freunde, sondern
stets als sehr enge und besonders nahe Verwandte gegolten, wie
dies heutzutage auch noch der Fall ist. Das „animum firmius'
erklärt Delbrück so, als ob der Mutterbruder vor dem Vaterbruder
in ein liebenswürdigeres und „gemütlicheres" Verhältnis zu seinen
Neffen und Nichten dadurch gerückt sei, dafs er weniger den
bärbeifsigen und ernsten als vielmehr den leutseligen und munteren
Onkel herausgekehrt, während jener, für den Fall des Todes des
Vaters zum Vormund bestimmt, stets einen strengeren Ton an-
geschlagen habe. Nun, mir will scheinen, als ob das doch wahr-
lich heifse, das Natürliche und Nächstliegende zur Seite schieben,
um durch eine künstliche Konstruktion einen Beweis gegen eine
Sache zu erbringen, welche man durchaus nicht gelten lassen will.
Übrigens kann Delbrück nicht umhin, von dem „avunculus" (Mutter-
bruder) als dem natürlichen Beschützer der Mutter, als demjenigen
zu sprechen, „bei dem die Mutter unter ümständen eine natürliche
Anlehnung finden konnte," und der daher auch den Kindern „als
der natürliche Freund und Gönner" erscheinen mochte. Dennoch
ist ihm die Stellung des „avunculus" nur eine Art „gemütlicher
Ehrenstellung', obwohl er wieder zugeben mufs, dafs sie bis zu
einer „befremdlichen" Höhe nach Tacitus' Bericht gesteigert er-
scheine. Befremdlich ist das alles eben nur für den, welcher das
wirklich Naturgemäfse nicht gelten lassen will, weil zufällig ge-
wisse philologisch-historische Belege fehlen, oder aus irgend einem
anderen Grunde.
Nun liegt ja natürlich an und für sich gar nicht so sehr viel
daran, ob das Mutterrecht thatsächlich jemals existiert hat oder
nicht; denn daraus läfst sich doch keinerlei etwa für Gegenwart
und Zukunft praktisch verwertbare Schlufsfolgerung herleiten:
wer es thut, den mufs man als völlig unkritischen und unhisto-
rischen, kurz als einen gaqz unwissenschaftlichen Kopf betrachten.