Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Aufsatz „Das Mutterrecht bei den Indogermanen", der in
den „Preufsischen Jahrbüchern" im Jahre 1895 erschienen
ist.*) Ich mufs jedoch gestehen, dafs die Delbrück'sche Beweis-
führung mir nicht sehr durchschlagend und überzeugungskräftig
erscheint. Dagegen ist das der Fall bei einer Abhandlung
Schmollers „Die Urgeschichte der Familie: Mutterrecht
und Gentilverfassung" im „Jahrbuch für Gesetzgebung,
Verwaltung und Volkswirtschaft"**), in welcher der be-
rühmte Berliner Gelehrte durchaus für das Mutterrecht eintritt als
ein in der Urzeit wirklich überall vorhanden gewesenes. Und
Lamprecht verficht und stützt, wie mir scheinen will, mit recht
guten Gründen in seinem Aufsatze „Zur Sozialgeschichte der
deutschen Urzeit" die Ansicht, dafs die ganze Zeit vom Ein-
tritte der Germanen in die Geschichte bis zum 6. Jahrhundert als
Kampfesperiode zwischen Vater- und Mutterrecht zu gelten habe,
da sie durchweg ein schwankendes und gemischtes Sj^stem der
Berechtigung von Vater- und Muttergesippten aufweist. Die end-
giltige Entscheidung zu Gunsten des Vaterrechts trat demnach bei
den Germanen erst im 6. Jahrhundert ein: seitdem beginnt die
Paternitätsfamilie unangefochten zu herrschen. Sehr bezeichnend
ist ja auch eine Stelle in Tacitus' „Germania" cap. 20, wonach
die Schwestersöhne dem Oheim so nahe stehen wie dem eigenen
Vater, ja „quidam sanctiorem artioremque hunc nexum sanguinis
arbitrantur et in accipiendis obsidibus niagis exigunt, tamquam
et animum firmius et domum latius teneant." Und bezüglich der
Erbfolge für den Fall, dafs keine Kinder vorhanden sind, wird
mitgeteilt, dafs als nächstberechtigte Erben gelten die Brüder und
Oheime von väterlicher und mütterlicher Seite, sonst jedoch „heredes
successoresque sui cuique liberi.'***) Delbrück will in dem allen
nicht mutterrechtliche Spuren erblicken, sondern sieht darin nur
eine „Etappe auf dem Wege der Annäherung der beiden Familien",
*) Man vergleiche: „Preufsische Jahrbücher". 79. Bd. Januar bis
März 1895.
**) Man vergleiche: „Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volks-
wirtschaft". 28. Jahrgang 1899. 1. Heft.
***) Die beiden angeführten lateinischen Stellen lauten in deutscher
Übersetzung folgendermaßen:
1. „Manche sehen diese Blutsverwandtschaft sogar noch für heiliger und
inniger an und dringen bei Abforderung von Geiseln besonders auf
solche Kinder, als wären diese fürs Gewissen ein festeres, für die
Familie ein umfassenderes Band.'
2. „Erben und Nachfolger sind die eigenen Kinder."