Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
kann, auch da, wo sie uns vaterrechtlich basiert entgegentritt:
diese Art der Gentilverfassung kann nur als Nachbildung der
mutterrechtlichen als der früher vorhanden und vorbildlich ge-
wesenen betrachtet werden. Wo aber Mutterrecht besteht, besteht
auch Gruppenehe; Mutterrecht setzt Verhältnisse wie die geschil-
derten unbedingt voraus. Direkte Spuren des alten Mutterrechtes
scheinen übrigens auch noch in der griechischen Mythologie und
Sage vorhanden zu sein. So weist Bachofen in seinem grofsen
Werke „Das Mutterrecht" darauf hin, dafs die Aschyleische
Oresteia „die dramatische Schilderung des Kampfes zwischen dem
untergehenden Mutterrechte und dem in der Heroenzeit auf-
kommenden und siegenden Vaterrechte" enthalte. Orest wird da
bekanntlich für den Frevel der Ermordung seiner Mutter Kly-
tämnestra, die er tötete, um seinen von deren Buhlen Agisthos
erschlagenen Vater Agamemnon zu rächen, von den Erinnyen ver-
folgt. Der Muttermörder beruft sich diesen gegenüber darauf, dafs
Klytämnestra doppelten Frevel begangen, indem sie ihren Gatten
und seinen Vater umbringen liefs; darum hätten die Erinnyen sie
verfolgen sollen, nicht jetzt ihn. Darauf wird ihm die Antwort:
„Sie war dem Mann, den sie erschlug, nicht blutsverwandt." Diese
Antwort ist schlagend; der Mord eines nicht blutsverwandten
Mannes, wenn er auch der Gatte der Mörderin ist, geht, weil er
sühnbar ist, die Erinnyen nichts an: sie sind nur die Rächerinnen
der unsühnbaren Verbrechen, und unter diesen ist das schwerste
der Muttermord. So treten die Schicksalsgöttinnen geradezu als
dämonische Schützerinnen des Mutterrechtes auf. Ihnen tritt aber
entgegen und für Orest ein Apollo, und Athene lälst die Areo-
pagiten abstimmen: da die Stimmen für Verurteilung und Frei-
sprechung des Muttermörders gleich sind, giebt Athene den Aus-
schlag, indem sie Orest freispricht. Das Vaterrecht hat den Sieg
über das Mutterrecht, die „Götter jungen Stammes", wie Apollo
und Athene von den Erinnyen genannt werden, haben den Sieg
über diese errungen. Und nun lassen sich die Erinnyen selbst
endlich auch bereden, im Dienste der neuen Ordnung ein neues
Amt zu übernehmen. Diese Deutung Bachofens ist neu und originell
und wohl auch im ganzen richtig. Demgegenüber sucht aller-
dings, wie vorher schon Leist und nach ihm Schröder, Bert-
hold Delbrück, der bekannte Jenaer Sprachforscher, den Nach-
weis zu führen, dafs die Indogermanen niemals das Mutterrecht
gekannt hätten, und dafs hier somit auch alle Rekonstruktionen, die
ehemals geltenden Familienformen betreffend, hinfällig seien, in einem
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