Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Friedensliebe jedenfalls lieber, alleinstehender, selbständiger Herden-
besitzer zu sein, denn als primus inter pares es fortwährend
mit aufsässigen und nach freiem Eigenbesitz strebenden Familien-
vätern zu thun haben zu müssen, zudem auf sein Teil so
ebenfalls ein recht ansehnliches Allod entfallen und da der Er-
werb einer Fürstenkrone entweder nicht nach seinem Geschmack
sein oder seine Macht dazu nicht ausreichen mochte. Ob Lot
der erste oder der letzte war, dessen sich Abraham entledigte,
das sei dahingestellt; jedenfalls begegnet er uns später als blofes
und zwar patriarchalisches Familien-Oberhaupt. Ausgeschlossen ist
es auch nicht, dafs es ihm doch gelang, einige fügsamere Familien-
väter auf die Stufe von ihm dienstbaren Knechten herabzudrücken
und deren Anteil am Genossenschafts-Eigentum auf diese Weise
dem seinigen einzuverleiben.
Dafs die Darlegungen der die Familien-Bildungen und -Zu-
sammensetzungen betreffenden prähistorischen Zustände keine will-
kürlichen und unberechtigten Konstruktionen sind, ergiebt sich aus
der Erfahrung, dafs noch heute bei primitiven Stämmen Gruppenehe
sich findet, z.B. in der Form der Klassen ehe in Australien; das erhellt
vor allem aus den mit den Verhältnissen der nordamerikanischen Ur-
einwohner sich beschäftigenden, höchst geistvollen und bahnbrechend
gewesenen Untersuchungen Morgans, dessen Entdeckungen fast
alle Prähistoriker anerkannt und sich angeeignet haben, und auf
denen bei uns u. a. Engels, Kautsky und Köhler fufsen, der
erste in seiner Schrift ,Der Ursprung der Familie, des
Privateigentums und des Staats», der zweite in einem
Artikel im zwöften Bande des „Kosmos", der die Überschrift
trägt „Die Entstehung der Ehe und Familie", und der dritte
u. a. in einer Arbeit „Zur Urgeschichte der Ehe (Totemis-
mus, Gruppenehe, Mutter recht)" in der „Zeitschrift für
vergleichende Rechtswissenschaft".*) Aufserdem sind
hier zu nennen Bernhöft, Dargun, Lamprecht, Schmoller
und Wilken, während im Gegensatz zu Morgan namentlich
Starke und Westermarck stehen. Nach den Arbeiten und Unter-
suchungen jener Männer kann es nicht zweifelhaft sein, dafs die
Gentilverfassung, welche wir bei den meisten halbkultivierten
Stämmen noch finden, und die bei den Vorfahren aller Kultur-
völker bestand, ohne Mutterrecht gar nicht verstanden werden
*) Man vergleiche: „Zeitschrift für vergleichende Rechtswissenschaft".
XII. Bd. 2./3. Heft.