Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
und der Raubehe schuf, wodurch Frauen aus anderen Stämmen in
den betreffenden Stamm, wo Mangel vorhanden war, hineinverpflanzt
wurden. Die Schwäche und Unbeständigkeit der Paarungsehe be-
dingte aber vorderhand noch den Fortbestand des Mutterrechtes.
Auf dieser Stufe der Entwickelung vollzog sich jedoch all-
mählich bei den Stämmen, aus denen die Kulturvölker des Alter-
tums und die heutigen erwachsen sind, ein Umschwung der Eigen-
tums-Verhältnisse, indem jetzt der Übergang von der bisherigen
Ernährungsweise hauptsächlich durch Jagd zu der durch Viehzucht
stattfand. Dadurch und weiterhin durch das Aufkommen der
Weberei, der Metallbearbeitung und endlich durch die Einführung
des eigentlichen Feldbaus und die Gründung wirklich fester
Wohnsitze war eine bedeutende Vermehrung des Reichtums ge-
geben, der zuvor nur in rohesten Waffen und Werkzeugen, primi-
tivstem Hausgerät und Schmuck, Böten, Fellkleidern und den je-
weils aufgeschlagenen Hütten bestanden hatte. Wie der alte so
war jedenfalls auch der neue Reichtum der Hauptsache nach zu-
nächst Gemeinbesitz; aber es hat sich wohl wie auch zuvor schon
ziemlich bald ein gewisses Sondereigentum, u. a. jetzt an den
Herden, die gehalten wurden, entwickelt. Jedoch war sehr wahr-
scheinlich ebenso wie früher anfangs nicht ein Einzelner un-
bedingter Sondereigentümer; sondern wir haben uns die Sache
vielmehr so zu denken, dafs der Stammesbesitz in eine Anzahl
Anteile geteilt ward und jeder Gruppe, die sich durch die fort-
schreitende Differenzierung gebildet hatte, ein solcher zufiel, den
der Vorsteher der betreffenden Gruppe im Namen derselben ver-
waltete und wieder jeder Haushaltung einen bestimmten Anteil
zuwies, den der Haushaltungsvorstand verwaltete. Nun bestand
der Haushalt auf dieser Stufe der Entwickelung bereits, wenn-
gleich nicht durchweg, so doch jedenfalls vielfach, aus einer
Reihe von auf Einzelehe beruhenden Familien; jede solche Familie
bekam also wohl von dem Haushaitungsvorstande auch je einen
besonderen Anteil am Gemeinbesitz übertragen, und es mag bei
den betreffenden Familienvätern der Wunsch entstanden sein, diesen
Anteil, der zunächst blofs ihrer Pflege und Bearbeitung anvertraut
war, als ihr beliebig verwendbares Eigentum zu besitzen, als
Lohn für ihre auf seine Erhaltung und Vermehrung verwandte
Arbeit, ein Wunsch, der schliefslich in die That umgesetzt wurde
und eine Aufteilung des Gesamteigentums herbeiführte. Zu die-
sem Eigentum gehörten jetzt offenbar schon Sklaven, die sich aus
den in Kriegen mit benachbarten Stämmen erbeuteten Gefangenen